// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Ein Abend zum Vergessen an der Südküste: Vor 55.570 Zuschauern im St. Mary’s Stadium zeigte der FC Southampton am 29. Spieltag der 1. Liga England, wie man ein Spiel mit Anlauf aus der Hand gibt. Barrow AFC, eigentlich angereist als Außenseiter, nahm die Einladung dankend an - und gewann völlig verdient mit 2:0. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, dass es für die "Saints" ein langer Abend werden würde. Barrow schoss bereits in der 1. Minute das erste Mal gefährlich aufs Tor. Benjamin McGowan prüfte Keeper Gabriel Clancy, der noch parieren konnte. "Da wusste ich: Das wird kein Spaziergang", knurrte Clancy später und schüttelte den Kopf. Während Southampton auf Konter lauerte, spielte Barrow schnörkellos über die Flügel, schnell, direkt, mit einem Selbstbewusstsein, das man sonst nur von Tabellenführern kennt. In der 22. Minute dann die logische Konsequenz: Rui Eusebio - ein Name, der an große Zeiten erinnert - traf nach Vorarbeit von Xabi Velazquez zum 0:1. Ein trockener Abschluss ins rechte Eck, keine Chance für Clancy. Southampton wackelte, Barrow roch Blut. Nur zwölf Minuten später folgte das 0:2: Freddie Hannigan, Barrows Taktgeber im Mittelfeld, zog aus rund 20 Metern ab. Der Ball segelte, leicht abgefälscht, unhaltbar ins Netz. Vorlage kam von Mathieu Dierickx, der mit 32 Jahren zeigte, dass Erfahrung eben doch kein Makel ist. "Wir haben in der ersten Halbzeit alles richtig gemacht - und Southampton hat uns gelassen", grinste Barrow-Coach Ingo Königs nach dem Spiel, während er mit verschränkten Armen in den Katakomben stand. Sein Kollege Michael Böning hingegen rang um Fassung: "Wir waren in allen Belangen unterlegen. Das tut weh - vor allem, wenn man sieht, dass wir eigentlich 44 Prozent Ballbesitz hatten." Tatsächlich besagen die Zahlen: 21 Torschüsse für Barrow, ganze 3 für die Hausherren. Eine Statistik, die deutlicher kaum sein könnte. Southampton lief meist hinterher, kämpfte, rackerte - aber rannte gegen eine kompakte Defensive an, die sich nicht aus der Ruhe bringen ließ. Selbst als Böning nach 36 Minuten früh reagierte und Owen Hartshorn für den jungen Billy Benett brachte, änderte sich wenig. Kurz nach der Pause versuchte Barrow, das Ergebnis zu verwalten. Trainer Königs blieb seiner Linie treu - keine wilden Pressing-Aktionen, kein überflüssiges Risiko. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht verschenken", erklärte er trocken. Southampton hingegen erhöhte das Risiko, spielte ab der 46. Minute mit offensivem Pressing. Doch was bringt Pressing, wenn man den Ball nie bekommt? Die zweite Halbzeit war dann ein Lehrstück in Effizienz und Geduld. Barrow kombinierte ruhig, ließ den Ball laufen, während Southampton immer wieder versuchte, über die Flügel Druck zu machen. Gabri Yanez hatte in der 54. Minute die beste Chance der Gastgeber - sein Schuss aus spitzem Winkel wurde aber von Barrow-Keeper George Beecroft stark pariert. Danach? Ein Spiel auf ein Tor - allerdings auf das von Southampton. McGowan, Velazquez und Hannigan prüften Clancy im Fünf-Minuten-Takt. Die Saints-Defensive stand unter Dauerstrom, und als Kai Haddington in der 65. Minute Gelb sah, war das sinnbildlich für Southamptons Frust. In der 70. Minute wechselte Böning noch einmal offensiv: Manuel Tiago kam für Gabriel Beecroft. Doch auch der erfahrene Portugiese konnte nichts mehr ausrichten. "Wir hätten heute wohl noch drei Stunden spielen können, ohne zu treffen", seufzte er nach Schlusspfiff. Barrow brachte die Partie souverän zu Ende, ließ Ball und Gegner laufen - und hatte am Ende sogar noch Torchancen in der Nachspielzeit. Der eingewechselte McGowan scheiterte in der 91. Minute knapp, sonst wäre das Ergebnis sogar noch höher ausgefallen. "Wir sind stolz, wie wir hier aufgetreten sind", sagte Barrows Kapitän Hannigan unter Applaus der mitgereisten Fans. "Southampton ist ein großer Name, aber heute waren wir das bessere Team - Punkt." Während Barrow jubelte, verließen viele Heimfans schon vor dem Abpfiff das Stadion. Auf den Rängen blieb nur der Wind, der durch die leeren Sitze pfiff - und ein resignierter Trainer, der leise in Richtung Kabine murmelte: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal einfach auch Flügel spielen." Fazit: Barrow AFC zeigte, wie man mit klarem Plan und disziplinierter Spielweise den Favoriten entzaubert. Southampton dagegen bot eine Lehrstunde in Ideenlosigkeit - und das eigene Publikum erlebte einen dieser Abende, an denen Fußball grausam ehrlich ist. Oder, wie es ein Fan auf dem Rückweg trocken formulierte: "Die schönste Aktion der Saints war heute der Pausenpfiff." 10.08.643993 23:28 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002