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Ein lauer Dienstagabend in Oxford, 50.360 Zuschauer im ausverkauften Stadion, und man hatte kaum den ersten Schluck Tee genommen, da bebte die altehrwürdige Tribüne schon: Amaury Semedo traf in der 9. Minute für Oxford City - und das mit einer Leichtigkeit, die selbst die Tauben auf dem Dach kurz aufhorchen ließ. Trainer David Klockzien ballte die Faust, als wüsste er schon, dass dieser Abend kein ruhiger würde. Denn Barrow AFC, angetreten mit jugendlicher Unbekümmertheit und einem Hauch Chaos, antwortete nur elf Minuten später. Owen Gage, gerade einmal 21, verwandelte nach feinem Zuspiel von Vincent Silfredo zum 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt. Ich wollte eigentlich flanken", grinste Gage nach dem Spiel mit einem Schulterzucken, das alles erklärte. Doch Oxford hatte noch nicht genug. In der 23. Minute war es Andrew O’Dea, der nach Vorarbeit von Fabio Meireles das 2:1 erzielte - ein Tor aus dem Lehrbuch für linke Flügelstürmer, und das Stadion tobte. "Da dachte ich, das Ding geht heute klar an uns", meinte O’Dea später, "aber dann kam dieser George Monroe - und der war einfach überall." Monroe, gerade einmal 19 Jahre alt, bewies nur drei Minuten nach O’Deas Treffer, dass jugendliche Frechheit manchmal reicht: Er marschierte über rechts, ließ zwei Verteidiger stehen und schob den Ball eiskalt zum 2:2 ins Netz. Barrow-Trainer Ingo Königs sprang von der Bank, als hätte er selbst das Tor erzielt. "George ist noch grün hinter den Ohren, aber heute war er reif wie ein alter Cheddar", lachte der Coach. Zur Halbzeit stand es 2:2 - ein Ergebnis, das sich wie ein Versprechen anfühlte. Beide Teams spielten offensiv, beide suchten das Risiko. Die Statistik bestätigte: 14 Torschüsse für Barrow, nur 7 für Oxford, der Ballbesitz nahezu ausgeglichen. Und doch lag in der Luft, dass einer irgendwann den entscheidenden Stich setzen würde. Der kam in der 50. Minute: Cesar Vazquez, Barrows wuchtiger Linksaußen, versenkte den Ball nach Vorlage von Ari Lampi humorlos im langen Eck. 3:2 Barrow - und diesmal wackelte Oxford wirklich. Torwart Dylan Madigan schüttelte den Kopf, als wolle er sagen: "Den schießt der sonst nie so." Ab da wurde es ein Kampf zwischen Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit. Oxford drückte, rannte, versuchte es über Meireles (63.), Hunt (76.) und erneut O’Dea (84.), doch Barrows Abwehr - angeführt vom kühlen Thomas Fournier - hielt stand. Selbst eine gelbe Karte für den jungen Sean Whitman in der 87. Minute brachte die Gäste nicht mehr aus der Ruhe. "Wir haben gelernt, auch hässlich zu gewinnen", meinte Trainer Königs später mit einem leicht ironischen Grinsen. Auf der anderen Seite haderte David Klockzien mit dem Ausgang: "Wir haben zweimal geführt, dann schläfst du hinten einmal, zweimal - und stehst mit leeren Händen da. Aber gut, vielleicht sollten wir in Zukunft einfach vier Tore schießen, um sicher zu gehen." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. Denn was sie gesehen hatten, war kein Lehrstück in Effizienz, sondern ein packendes, manchmal wildes Fußballspiel, das an alte Pokalnächte erinnerte - nur ohne Verlängerung. Am Ende blieb Barrow die Mannschaft, die ihre Chancen konsequenter nutzte. Oxford hatte Leidenschaft, Barrow hatte Präzision. Und vielleicht, so meinte Gage mit einem Augenzwinkern, "auch das bessere Abendessen in der Kabine". Ein Spieltag, der in Erinnerung bleibt - nicht, weil alles perfekt war, sondern weil er zeigte, warum man Fußball liebt: wegen dieser Momente, in denen ein 19-Jähriger das Stadion verstummen lässt, nur um Sekunden später ein Lächeln auf 50.000 Gesichtern zu zaubern. Und so ging ein verrückter Abend in Oxford zu Ende. Während Barrow jubelnd in den Bus stieg, blieb auf der Heimseite nur Trost in Form eines lauten "Nächstes Mal erwischen wir sie!". Es klang nicht wie eine Drohung - eher wie ein Versprechen. 13.04.643990 16:30 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hatte nach den ganzen Ausfällen im Angriff nur noch die Wahl zwischen mir und dem Busfahrer. Da der Busfahrer seine Schuhe nicht dabei hatte, habe ich gespielt.
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