// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
55.417 Zuschauer hatten sich am Samstagabend im Barrow-Stadion eingefunden, um den 30. Spieltag der 1. Liga England zu erleben. Und sie bekamen - nun ja - ein Fußballspiel. Eines jener Spiele, die Trainer Ingo Königs später als "lehrreich" bezeichnete, während die Fans eher von "Torarmut mit taktischem Tiefgang" sprachen. 0:0 hieß es am Ende zwischen Barrow AFC und den Ewood Rovers - ein Ergebnis, das nicht lügt, aber auch nicht die ganze Geschichte erzählt. Von Beginn an übernahm Barrow die Initiative. 55,7 Prozent Ballbesitz, zwölf Schüsse aufs Tor: Das sah auf dem Statistikbogen ordentlich aus. Auf dem Rasen allerdings war es oft wie ein gut gemeintes Gedicht ohne Reim. Thomas Hennessy, der bullige Mittelstürmer der Hausherren, prüfte bereits in der achten Minute Rovers-Torhüter Logan Bernard - der hielt, als wolle er sich für ein Bewerbungsvideo empfehlen. Kurz darauf versuchte es Arnau Mascarenhas von rechts, traf aber mehr den Abendhimmel als das Tornetz. "Wir wollten von Anfang an Druck machen", erklärte Barrow-Coach Ingo Königs nach Abpfiff. "Und das haben wir auch - also zumindest, bis in den Strafraum." Hennessy, der sich nach dem dritten vergebenen Versuch die Hände in die Hüfte stemmte, wurde von seinem Teamkollegen Ari Lampi aufgemuntert: "Mach dir nix draus, wir zielen das nächste Mal auf das Tor, nicht auf die Wolken." Die Ewood Rovers dagegen kamen erst in Fahrt, als Trainer Stephan Trajes nach der Pause von defensiv auf offensiv umstellte. "Ich hab den Jungs gesagt: Wir dürfen ruhig auch mal nach vorne laufen", grinste Trajes später. Und tatsächlich: In der 47. Minute zischte ein Schuss von Samuel Hoskins knapp am Pfosten vorbei. Pedro Corcoles tat es ihm wenig später gleich - Barrows Keeper George Beecroft musste sich strecken, um überhaupt im Bild zu bleiben. Barrow blieb dennoch die aktivere Mannschaft. Zwischen der 43. und 64. Minute feuerten Mascarenhas, Lampi und Hennessy fast im Minutentakt auf das Tor - allerdings immer mit dem gleichen Ergebnis: kein Tor. Das Publikum stöhnte, als wäre es Teil eines kollektiven Atemübungsseminars. "Wir spielen ja nicht schlecht", rief ein Fan von der Tribüne, "aber treffen wär auch mal schön!" In der 58. Minute kam Adam Lankford für den müden Mathieu Dierickx ins Spiel und brachte neuen Schwung über links. Doch auch er scheiterte an Bernard, der an diesem Abend einfach alles hielt, was nach Leder aussah. "Ich hab irgendwann gedacht, der Ball will einfach nicht rein", sagte Lankford nach dem Spiel. "Vielleicht war er zu kalt." In den Schlussminuten wurde es dann noch einmal wild. Ewood wechselte in der 76. Minute den laufstarken Jose Deco ein, der prompt zwei gefährliche Szenen einleitete. In der 87. Minute kam Nicolae Buzanszky frei zum Schuss - doch Beecroft, Barrows Fels im Tor, parierte glänzend. Kurz darauf verletzte sich Mascarenhas bei einem Sprint, musste behandelt werden und wurde in der Nachspielzeit von den Fans mit aufmunterndem Applaus verabschiedet. Trainer Königs wechselte in der 90. Minute noch den jungen Keeper Finlay Densham ein - eine eher symbolische Geste, vielleicht auch ein Zeichen an die Zukunft. "George hat heute alles gehalten, was zu halten war", meinte er. "Aber Finlay sollte mal Stadionluft schnuppern - die riecht nach Schweiß, Enttäuschung und Pommes, und das ist wichtig für die Entwicklung." Und so endete ein Abend, der keine Tore, aber immerhin reichlich Gesprächsstoff lieferte. Ewood Rovers dürften mit dem Punkt zufrieden sein - sie hatten weniger Ballbesitz (44 Prozent) und nur acht Abschlüsse, von denen keiner gefährlicher war als Samuel Hoskins’ Schuss in der 82. Minute, der knapp über die Latte ging. "Ein 0:0 ist manchmal gerechter, als man denkt", fasste Stephan Trajes das Geschehen zusammen. "Beide wollten gewinnen, keiner hat’s geschafft. Das ist irgendwie auch Fußball." Barrow dagegen hadert mit der Chancenverwertung, aber nicht mit der Leidenschaft. Pressing in den Schlussminuten, starke Aggressivität, voller Einsatz - die Werte stimmten. Nur das Ergebnis fehlte. Vielleicht lag’s am Rasen, vielleicht an den Nerven. Oder, wie Mascarenhas nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern sagte: "Wir hätten einfach das Tor ein Stück größer machen sollen." Das Publikum jedenfalls verabschiedete beide Teams mit Applaus - wohl wissend, dass sie Zeugen eines Spiels waren, das kein Ergebnis, aber viele Geschichten hatte. Und manchmal, das wissen Fußballromantiker, ist genau das die Kunst: aus einem 0:0 ein kleines Drama zu machen. 01.01.643988 07:25 |
Sprücheklopfer
Ganz gut. Ich habe mich die ganze Nacht um seine Frau gekümmert!
Mario Basler auf die Frage, wie es Dietmar Hamann nach seinem Schlaganfall geht