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Barrow AFC überrascht die Blues - Ein Tor, ein Schock, ein Lehrstück

London - Es war einer dieser Abende an der Stamford Bridge, an denen man die Uhr anhalten möchte - nicht, weil die London Blues so großartig spielten, sondern weil man sich fragte, ob sie überhaupt irgendwann anfangen würden, Fußball zu spielen. Vor 39.017 Zuschauern unterlagen die Blues am Freitagabend in der 1. Liga England völlig verdient mit 0:1 (0:0) gegen das tapfere Barrow AFC. Das einzige Tor des Abends erzielte Nelio Djalo in der 68. Minute - ein Treffer, der den Blues-Trainer Guido Träger noch im Schlaf verfolgen dürfte.

Dabei hatte die Partie gar nicht so schlecht begonnen - zumindest optisch. London hielt den Ball, spielte quer, zurück, wieder quer. Das Publikum summte die Melodie des ungeduldigen Wartens. Barrow hingegen stand tief, bissig, lauerte auf Konter. "Wir wussten, dass sie gerne schön spielen wollen", grinste Barrow-Coach Ingo Königs nach der Partie. "Wir wollten lieber effektiv sein - und das hat dann ja funktioniert."

Die erste wirkliche Gefahr ging in der 26. Minute von Azmi Ehrlich aus, dessen Schuss aus spitzem Winkel von Barrows Torwart George Beecroft sicher pariert wurde. Danach? Viel Mittelfeldgeplänkel, noch mehr Fehlpässe. Barrow prüfte Blues-Keeper Franck Besserer mehrfach - Huxley (34.), Vazquez (49.) und Poulin (57.) zwangen ihn zu Glanzparaden. Der Franzose im Londoner Tor war der einzige, der an diesem Abend Premier-League-würdig wirkte.

Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. London hatte 47 Prozent Ballbesitz, Barrow 53 - Zahlen, die die Blues-Fans wohl zum ersten Mal in dieser Saison als "Ballbesitz-Defizit" erlebten. Guido Träger blieb zunächst ruhig an der Seitenlinie, wirkte aber zunehmend wie ein Mann, der den Sinn des Lebens - oder wenigstens den seiner Taktik - überdenkt. "Wir hatten den Plan, das Spiel zu kontrollieren", erklärte er später mit stoischer Miene. "Nur - irgendwie hat Barrow da nicht mitgespielt."

Und dann kam die 68. Minute. Thomas Hennessy, gerade erst nach einer Auswechslung wieder in der Offensive aktiv, schickte Nelio Djalo steil durch die Mitte. Der Portugiese nahm den Ball mit der Brust an, ließ zwei Verteidiger wie Slalomstangen stehen und schob eiskalt ins rechte Eck - 0:1. Das Stadion verstummte, nur die knapp 800 mitgereisten Barrow-Fans jubelten, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

"Ich hatte einfach das Gefühl, dass der Moment meiner ist", sagte Djalo nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Triumph schwankte. "Thomas hat mir den Ball perfekt gelegt - ich musste ihn nur noch reinschieben."

Die Blues versuchten danach alles, was ihnen einfiel - was leider nicht viel war. Ophir Arens, der flinke Rechtsaußen, prüfte Beecroft in der 66. und 67. Minute gleich doppelt, doch der Torwart stand wie eine Wand. Träger reagierte in der 73. Minute mit einem Doppelwechsel: Davor Jurcevic kam für den glücklosen Ehrlich, Antonio Quaresma ersetzte Amaury Miguel. Später durfte auch noch der junge Lewis Graves ran - aber selbst er konnte den eingeölten Abwehrriegel der Gäste nicht knacken.

Barrow hingegen blieb gefährlich. Vazquez und Poulin feuerten eine ganze Salve von Schüssen ab - allein zwischen der 72. und 84. Minute zählte man sieben Abschlüsse. Es war, als hätten die Londoner Abwehrspieler beschlossen, den Gästen den Schießstand zu überlassen.

In der Nachspielzeit wechselte Ingo Königs noch James Lankford für den erschöpften Verteidiger Thomas Fournier ein - ein symbolischer Akt, um zu zeigen: Wir bleiben stabil. Und das taten sie. Als Schiedsrichter Martin Ellison nach 94 Minuten abpfiff, brach bei Barrow ein Jubel aus, wie man ihn sonst nur bei Pokalüberraschungen sieht.

"Das war kein schöner Fußball", gab Königs zu. "Aber manchmal reicht ein schönes Tor."

Guido Träger hingegen stand nach dem Spiel lange an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, der Blick leer. "Vielleicht haben wir zu viel gedacht und zu wenig gemacht", murmelte er. Und dann, halb im Scherz, halb im Ernst: "Ich glaube, ich fange morgen mit Meditation an."

Barrow AFC nimmt mit diesem Sieg nicht nur drei Punkte, sondern auch eine Menge Respekt mit nach Hause. Die Blues dagegen müssen sich fragen, wie man mit vier Torschüssen in 90 Minuten ein Heimspiel gewinnen will. Antwort: gar nicht.

Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen Fußball seine Launen zeigt - und der große Favorit lernen muss, dass Herz manchmal mehr zählt als Ballbesitz. Oder, wie Barrows Torwart Beecroft in der Kabine lachte: "Wir hatten den Ball weniger, aber den Sieg mehr."

Ein Satz, den man sich bei den London Blues wohl einrahmen sollte - als Erinnerung daran, dass Zahlen keine Tore schießen.

18.07.643993 19:36
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Klaus Toppmöller
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