// Startseite
| Marca |
| +++ Sportzeitung für Spanien +++ |
|
|
|
An einem frischen Januarabend im Estadio de la Ciudad teilten sich der SC Barcelona und Astur CF beim 20. Spieltag der 1. Liga Spanien die Punkte - 2:2 hieß es am Ende, und ehrlich gesagt wusste keiner so recht, ob er sich freuen oder ärgern sollte. 33.775 Zuschauer sahen ein Spiel, das mitreißend begann, zwischendurch ins Chaos abglitt und schließlich in einem offenen Schlagabtausch endete, bei dem beide Teams mehr Mut als Ordnung zeigten. Die Gastgeber starteten wie von einem doppelten Espresso beflügelt. Schon in der fünften Minute versuchte Innenverteidiger Jose Pelayo aus der Distanz sein Glück - ein Schuss, der so hoch flog, dass selbst die Möwen auf der Tribüne kurz aufflatterten. Trainer Thomas Göstl klatschte trotzdem anerkennend: "Ich mag’s, wenn meine Abwehrspieler sich was trauen, auch wenn’s manchmal weh tut, den Ball zu suchen." Barcelona blieb dran, kombinierte sich mit jugendlicher Leichtigkeit durchs Mittelfeld. Vor allem der 21-jährige Daniel Vogel zog die Fäden, als hätte er einen Kompass im Fuß. In der 29. Minute dann die Szene, die das Stadion aufstehen ließ: Vogel steckte perfekt auf Marc Etxeita durch, der eiskalt ins rechte Eck abschloss - 1:0. "Ich hab ihn einfach kommen sehen", grinste Etxeita später, "und dann war’s nur noch ich, der Ball und ein ziemlich verzweifelter Torwart." Astur CF wirkte bis dahin wie ein Team, das den Bus verpasst hatte. Erst nach der Pause kam Leben in die Truppe von Trainer Stefan Sühr. "Ich hab ihnen in der Kabine gesagt, dass Fußball kein Schach ist", verriet der Coach mit einem Lächeln. Und tatsächlich: In der 56. Minute kombinierten die Gäste plötzlich wie aus dem Lehrbuch. Lionel Rocha legte quer, David Robert schob souverän ein - 1:1, und das Spiel war wieder offen. Barcelona reagierte prompt. Göstl brachte zur zweiten Halbzeit den 17-jährigen Antonio Perez, der mit jugendlichem Übermut gleich in den ersten Zweikampf flog, als hinge sein Führerschein davon ab. Kurz danach der erneute Jubel der Hausherren: In der 66. Minute zirkelte Cristobal Guillen den Ball nach schöner Vorarbeit von - wie sollte es anders sein - Daniel Vogel in den Winkel. 2:1, und der Trainer der Katalanen ballte die Faust. "Das war ein Tor für Feinschmecker", schwärmte er später. Doch wer dachte, dass Barcelona nun den Deckel draufmacht, hatte die Rechnung ohne Damian Simao gemacht. Der 31-jährige Routinier von Astur CF nutzte in der 74. Minute eine Unachtsamkeit in der Hintermannschaft und drosch den Ball humorlos in die Maschen. 2:2 - und plötzlich roch alles nach einem offenen Finale. Die letzten Minuten wurden dann eher hitzig als elegant. Jose Pelayo und Cristobal Guillen kassierten in der 84. und 85. Minute Gelb, offenbar aus purer Nostalgie an die gute alte Zeit des physischen Fußballs. "Manchmal muss man zeigen, dass man kein Tänzer ist", bemerkte Pelayo süffisant. Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 15 Torschüsse für den SC Barcelona, 10 für Astur CF, Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste (52 zu 48 Prozent). Beide Mannschaften standen offensiv, beide suchten den Weg nach vorn - mal mit System, mal mit Hoffnung. In der Nachspielzeit hätte es dann doch fast noch geklingelt: Pedro Suero prüfte Barcelonas Keeper Vicente Rielo mit einem strammen Schuss, doch der 21-Jährige fischte den Ball mit einer Parade aus dem Lehrbuch aus dem Winkel. Danach war Schluss, und das Publikum verabschiedete beide Teams mit einem ehrlichen Applaus. "Wenn man jung ist, will man jedes Spiel gewinnen", sagte Barcelonas Trainer Göstl nach dem Abpfiff, "aber manchmal ist ein Unentschieden eine gute Lektion in Demut." Sein Gegenüber Sühr grinste nur: "Ich nehme den Punkt - und den Puls, der jetzt wieder unter 180 ist." So blieb es bei einem 2:2, das beiden Teams Mut machte, aber keinem so richtig half. Ein Spiel, das zeigte, dass Fußball mehr ist als Zahlen und Systeme - manchmal ist es einfach ein Hauch Wahnsinn auf grünem Rasen. Und wer gesehen hat, wie die beiden Trainer sich nach dem Schlusspfiff die Hand gaben, wusste: Hier war kein Verlierer, nur zwei Mannschaften, die sich nichts geschenkt haben - außer vielleicht ein paar graue Haare. 18.09.643987 20:03 |
Sprücheklopfer
In der Nacht von Samstag auf Montag.
Rudi Assauer auf die Frage, wann die Entscheidung zur Entlassung von Frank Neubarth gefallen sei