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Manchmal ist Fußball wie ein schlecht gelauntes Orchester: Alle spielen ihr Instrument, aber die Melodie kippt nach der Ouvertüre ins Chaos. So geschehen am Samstagabend im Estadio de la Menta, wo Bites Sevilla gegen Atletic Barcelona mit 2:4 unterging - trotz mehr Ballbesitz, mehr Torschüssen und vermutlich auch mehr Schweißperlen. Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Keine fünf Minuten waren gespielt, da donnerte Knud Lutz - der Mann mit der Frisur eines 80er-Jahre-Schlagzeugers - das Leder nach Vorlage von Linksverteidiger Felipe Matamoros zum 1:0 in die Maschen. 25.126 Zuschauer sprangen von den Sitzen, Bierbecher flogen, Kinder schrien nach Autogrammen. "Ich dachte, das wird heute eine ruhige Nummer", grinste Lutz später bitter, "aber Atletic hat wohl andere Pläne gehabt." Die Antwort der Katalanen kam postwendend. In der 13. Minute schob Jake Davonport, 31 Jahre jung und mit der Ruhe eines Finanzbeamten, nach Pass von Diego Mascarenhas zum 1:1 ein. Trainer Al Bundy - ja, der Name ist echt, aber der Humor des Mannes ist noch echter - brüllte von der Seitenlinie: "Ich hab’s euch doch gesagt: Erst kassieren, dann reagieren!" Sevilla schien kurz geschockt, fing sich aber wieder. Felipe Bermudez, der Sturmtank mit der Beweglichkeit eines Stiers in der Porzellanabteilung, köpfte nach 29 Minuten zur erneuten Führung ein. Vorlage: Caio Morais, der mit einem butterweichen Flankenball glänzte. 2:1 - das Stadion bebte, die Fans sangen, und selbst der Stadionsprecher klang wie nach drei Espressi zu viel. Doch dann kam der Doppelschlag vor der Pause, der das Spiel kippte. Erst traf der 18-jährige Rafael Vico nach Vorarbeit von Innenverteidiger Marcel Gaudin (43.), nur eine Minute später legte Jay Warriner eiskalt zum 3:2 nach - assistiert von eben jenem Wunderkind Vico. "Der Junge spielt, als hätte er das Stadion schon als Kinderzimmer gehabt", schwärmte Bundy nach Spielende. In der Kabine von Sevilla hingegen herrschte Schweigen. Zumindest bis Trainer Castañeda (der sich nach dem Spiel weigerte, Interviews zu geben) lautstark an die Tür trat. "Wir hatten das Spiel im Griff", murmelte Verteidiger Marcos Juanez später, "bis wir aufhörten, es zu halten." Nach dem Seitenwechsel versuchte Sevilla alles: 57 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse, und Knud Lutz, der zwischen Genie und Gelbsperre pendelte (Minute 69, Verwarnung wegen Meckerns). Doch die Katalanen blieben eiskalt. In der 64. Minute besiegelte Pinchas Hasson nach feiner Vorarbeit von Pierre Preher das 4:2 - und damit auch Sevillas Schicksal. Die letzten 25 Minuten waren dann ein Mix aus Verzweiflung und Verdrängung. Sevilla stürmte, Atletic konterte, und Bundy wechselte in aller Seelenruhe gleich dreimal: Bjarne Bjerre kam für den verwarnten Gaudin, später durften auch die Teenager Guillermo Minambres und Alejandro Garcia ran. "Ich wollte sehen, ob sie wissen, dass der Ball rund ist", witzelte der Coach. Sevillas Alex Ortiz versuchte es noch mit jugendlichem Elan (Schüsse in der 36., 37., 49. und 92. Minute), doch Torwart Niels Nolte aus Barcelona ließ sich nicht beirren - trotz der frenetischen Kulisse, die längst zwischen Hoffnung und Hohn schwankte. Am Ende standen die Zahlen klar gegen Sevilla: 2:4, trotz mehr Spielanteilen. Die Statistik las sich wie ein Witz ohne Pointe - 56,9 Prozent Ballbesitz, 12:11 Torschüsse, aber eben auch vier Gegentreffer. "Wir haben das Spiel kontrolliert", sagte Knud Lutz nach Abpfiff, "leider den Gegner auch nicht." Eine Erkenntnis, die man in Andalusien wohl noch eine Weile verdauen muss. Atletic Barcelona dagegen nimmt drei Punkte und jede Menge Selbstvertrauen mit in die nächste Woche. "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", meinte Bundy mit einem Augenzwinkern, "aber immerhin sind wir schon mal losgelaufen." Und Sevilla? Nun ja - sie werden weiterlaufen. Wahrscheinlich in der nächsten Trainingseinheit, bergauf, mit Medizinbällen. Schlusswort: Wer vier Tore kassiert und trotzdem den Ball länger hat, sollte sich vielleicht fragen, ob Ballbesitz nicht überschätzt wird. Oder, wie ein Fan beim Rausgehen sagte: "Schön gespielt, aber verloren - das ist wie tanzen ohne Musik." 03.05.643987 07:42 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat