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31953 Zuschauer erlebten im Estadi del Sol einen dieser Fußballabende, an denen man merkt, dass Statistiken manchmal lügen. Lanzarote CF hatte mehr Ballbesitz (52,5 Prozent), sah oft gefällig aus - und fuhr trotzdem mit gesenktem Kopf nach Hause. Der SC Barcelona gewann mit 3:1, und das, obwohl Trainer Thomas Göstl nach dem Spiel mit einem Grinsen bekannte: "Wir wollten eigentlich defensiver stehen. Aber offenbar hat das niemand meinen Jungs gesagt." Schon in der 13. Minute begann der Abend, sich zu färben - blaurot natürlich. Pau Butragueno, der linke Mittelfeld-Motor, drosch den Ball nach einer butterweichen Vorlage von Henri Celine unter die Latte. Lanzarote-Keeper Vincent Maurice schaute dem Ball hinterher wie ein Tourist dem Sonnenuntergang: schön, aber unerreichbar. Nur 16 Minuten später zeigte Laurens Van Cortlandt, dass er nicht nur einen aristokratischen Namen, sondern auch ein feines Füßchen besitzt. Wieder kam die Flanke von Celine - der Mann war an diesem Abend so präsent wie das Flutlicht - und Van Cortlandt nickte zum 2:0 ein. "Da haben wir kurz das Gefühl gehabt, es könnte heute ein Spaziergang werden", gestand Kapitän Oscar Carballo später. Doch Spaziergänge in der spanischen Liga enden selten ohne Blasen an den Füßen. Lanzarote kam mit Wut aus der Kabine, Trainer Meister Leverkusen hatte offenbar etwas gefunden, das lauter war als seine Stimme - vielleicht den Fön aus der Umkleide. Jedenfalls stürmten die Gäste los, und in der 53. Minute zahlte sich das aus: James Young, der rechte Wirbelwind der Kanaren, traf nach Vorlage von Alfred Detari zum 2:1. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Postkarten verschicken, sondern auch Tore schießen können", meinte Young nach dem Spiel augenzwinkernd. Doch Barcelonas Antwort kam wie ein trockener Kommentar eines Genies: knapp, präzise, verheerend. In der 75. Minute sorgte Alfonso Rodrigo für die Entscheidung. Henri Celine - ja, wieder er - legte quer, Rodrigo zog ab, und der Ball zischte ins lange Eck. 3:1, der Rest war Ballbesitzkosmetik. Lanzarote mühte sich, hatte am Ende sogar mehr Schüsse als mancher Verlierer sich wünscht (12 insgesamt), doch der SC Barcelona blieb giftig. Helgi Geirsson kassierte in der 39. Minute Gelb, Matej Nemec tat es ihm in der 73. gleich - Zeichen dafür, dass die Hausherren nicht nur spielen, sondern auch zupacken können. "Das war kein Schachspiel, das war ehrlicher Fußball", kommentierte Göstl trocken und fügte hinzu: "Auch wenn mein linker Verteidiger manchmal mehr Risiko geht als meine Steuererklärung." Die zweite Halbzeit brachte Wechsel und Witz: Connor Gady kam für Joaquin Ramiro, Nemec ersetzte Butragueno - und beide hätten fast noch nachgelegt. Nemec prüfte Keeper Maurice in der 84. und 87. Minute gleich doppelt, doch der Franzose hielt, als wolle er wenigstens etwas für die Statistik tun. Am Spielfeldrand schüttelte Lanzarotes Coach Leverkusen nach dem Abpfiff den Kopf. "Wir hatten das Spiel eigentlich unter Kontrolle. Nur die Tore haben uns gefehlt." Ein Satz, der so wahr wie nutzlos ist. Denn Barcelona hatte zwar weniger Ballbesitz, aber mehr Zielstrebigkeit - 17 Torschüsse, die meisten brandgefährlich. Henri Celine, der an allen drei Treffern beteiligt war, wurde nach dem Spiel von Reportern umringt. Auf die Frage, ob er an diesem Abend besonders inspiriert gewesen sei, grinste er: "Ich hatte einfach gute Laune. Vielleicht sollte ich das öfter haben." Kurz vor Mitternacht verließen die letzten Fans das Stadion, während der Platzwart schon das Tornetz streichelte, das an diesem Abend dreimal erzittert hatte. Barcelona bleibt damit im oberen Tabellendrittel, Lanzarote dagegen sucht weiter nach Punkten - und vielleicht auch nach einem Plan B, der nicht nur "hoffen auf James Young" heißt. Ein kleiner Junge im Trikot von Van Cortlandt sagte beim Hinausgehen zu seinem Vater: "Papa, warum spielen die nicht immer so?" Der Vater seufzte, sah auf die Anzeigetafel und meinte: "Weil’s dann ja langweilig wär." So endete ein Abend voller Tempo, Witz und leichter Selbstironie. Barcelona lachte zuletzt - und das bekanntlich am liebsten über sich selbst. 30.06.643987 09:22 |
Sprücheklopfer
Wir spielen am Besten, wenn der Gegner nicht da ist.
Otto Rehhagel