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Barcelona siegt knapp - Etxeita trifft doppelt, Compostela ärgert den Favoriten

31.256 Zuschauer im Estadi del Sol sahen am Montagabend ein Spiel, das weniger nach Routine und mehr nach jugendlicher Unbekümmertheit roch. Der SC Barcelona, trainiert von Thomas Göstl, musste sich den 3:2-Sieg über SD Compostela härter erarbeiten, als es die Fans wohl erwartet hatten.

Dabei begann alles mit einem Paukenschlag: Schon in der 11. Minute nutzte Rubén Salvadorez einen jener Momente, in denen Barcelonas Abwehr kollektiv auf Pause drückte. Nach einem präzisen Zuspiel von John Kilbane drosch der Linksaußen den Ball trocken ins rechte Eck - 0:1, und Göstl raufte sich zum ersten Mal die Haare. "Ich dachte, wir hätten das Abseits aufgehoben, um höflich zu sein", knurrte Innenverteidiger Francisco Rodrigo später mit bitterem Humor.

Doch wer glaubte, Barcelona würde nun in Schönheit sterben, irrte gewaltig. Der 17-jährige Antonio Pérez, kaum alt genug für den Fahrerschein, zeigte in der 33. Minute, dass jugendlicher Leichtsinn manchmal das Beste ist, was einem Trainer passieren kann. Nach einer herrlichen Kombination über die rechte Seite stand er plötzlich frei und schob abgeklärt zum 1:1 ein. Die Fans jubelten, die Kamera suchte nach seinem Ausweis.

Sechs Minuten später drehte sich das Spiel endgültig: Marc Etxeita, der quirlige Linksaußen, traf nach Vorlage des unermüdlichen Iban Alcázar zum 2:1. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", lachte Etxeita danach. "Ich wollte eigentlich nur flanken - aber wenn’s hilft, nehm ich das Tor natürlich."

Zur Pause lag Barcelona vorne, doch wer dachte, der Rest würde zum gemütlichen Ballbesitz-Kaffeekränzchen, sah sich getäuscht. Compostela, mit leichtem Übergewicht beim Ballbesitz (51 Prozent), kam kämpferisch aus der Kabine. Trainer Esteban Morillas hatte offenbar Pfeffertee serviert, denn sein Team legte los wie ein Hornissenschwarm. In der 53. Minute war es erneut John Kilbane, der nach Vorarbeit des erfahrenen Didier Otto den Ausgleich erzielte - 2:2, und plötzlich wirkte Barcelona wieder nervös.

Göstl reagierte prompt, brachte in der 65. Minute Xavier del Olmo für Pérez - und genau in dieser Minute fiel die Entscheidung. Wieder war es Marc Etxeita, diesmal nach einem feinen Pass von Pau Butragueño, der den Ball zum 3:2 ins Netz jagte. Man hätte meinen können, das Drehbuch sei von einem Romantiker geschrieben worden: der junge Star, das entscheidende Tor, das Stadion in Ekstase.

"Wir haben heute nicht schön gespielt, aber wir haben Charakter gezeigt", erklärte Trainer Göstl nach dem Abpfiff. "Und manchmal ist das eben wichtiger als Statistiken." Dabei durfte er sich durchaus auf die Zahlen berufen: 17 Torschüsse seiner Mannschaft gegen 11 von Compostela, eine knappe Zweikampfquote von 52 zu 48 Prozent - das waren Werte, die den Sieg rechtfertigten, auch wenn der Gegner bis zur letzten Minute anklopfte.

In der Nachspielzeit, als Etxeita noch einmal aus spitzem Winkel aufs Tor feuerte (94.), hielt das Stadion kollektiv den Atem an. Compostela-Keeper Cameron Beecroft lenkte den Ball überragend über die Latte - ein Reflex, der jeden Torwarttrainer stolz gemacht hätte. "Ich hab einfach gehofft, dass er mich trifft", grinste Beecroft nach der Partie.

Taktisch blieb Göstl seiner offensiven Marschroute treu. Kurze Pässe, viel Bewegung, dazu Pressing, wenn’s eng wurde - ein Stil, der spektakulär aussieht, aber Nerven kostet. Compostela dagegen spielte kontrollierter, verzichtete weitgehend auf Pressing, vertraute auf Balance und das sichere Herausspielen von Chancen. Hätten sie ihre "sicheren" Schüsse etwas entschlossener abgeschlossen, wäre vielleicht mehr drin gewesen.

Am Ende jubelte aber Barcelona - knapp, jung, wild, ungeschliffen. Und irgendwo in der Mixed Zone soll Antonio Pérez leise gemurmelt haben: "Ich hab mein erstes Ligator geschossen. Mein Vater hat geweint. Und ich? Ich will das nächste schon am Samstag."

Ein Satz, der den Abend perfekt zusammenfasst. Ein Sieg mit Herz, jugendlicher Energie und einem Hauch Chaos - so, wie Fußball sein muss.

Und Trainer Göstl? Der lehnte sich nach der Pressekonferenz zurück, nippte an seinem Espresso und meinte trocken: "Wenn wir alle Spiele so gewinnen, baue ich mir eine Glatze freiwillig."

Barcelona lacht - und die Liga hat einen neuen Publikumsliebling.

15.08.643987 14:10
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