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Bailey Kendall schießt Southampton in die nächste Pokalrunde

Ein nasskalter Donnerstagabend in Sunderland, 5000 hartgesottene Fans mit Schal, Mütze und der stillen Hoffnung auf ein Pokalwunder - und am Ende wieder das, was man in Nordengland "typisch Cup-Night" nennt: Kampf, Krampf und ein einziger Moment, der alles entscheidet. Der FC Southampton zog mit einem 1:0-Erfolg bei den Sunderland Cats in die zweite Pokalrunde ein - dank eines Treffers von Bailey Kendall in der 63. Minute.

Bis dahin war es ein Spiel wie eine Tasse lauwarmer Stadionkaffee: viel Bewegung, wenig Geschmack. Sunderland, das laut Statistik mit 54 Prozent Ballbesitz optisch dominierte, brachte aber kaum etwas Gefährliches zustande. Vier Torschüsse in 90 Minuten - da kann man sich schon fragen, ob die Cats an diesem Abend ihre Krallen zu Hause gelassen hatten.

Southampton-Coach Michael Böning, der an der Seitenlinie meist so wirkte, als würde er innerlich Excel-Tabellen sortieren, hatte sein Team offensiv eingestellt. Allein Mike Keil prüfte in der ersten Halbzeit dreimal den reaktionsschnellen Sunderland-Keeper Callum Devaney. Doch der blieb zunächst unüberwindbar. "Ich dachte schon, der Typ hat Magneten in den Handschuhen", grinste Keil nach dem Spiel.

Das Tor fiel schließlich nach einer Szene, die so unspektakulär wie effektiv war. Albert Morais setzte sich auf der rechten Seite durch, flanke flach vors Tor, und Bailey Kendall schob den Ball aus acht Metern trocken ins linke Eck. Kein Jubelgestürm, keine artistische Einlage - einfach ein ehrliches, britisches Pokaltor. "Ich hab nur gehofft, dass ich den Ball richtig treffe", sagte Kendall später, noch leicht humpelnd - er hatte sich kurz vor Schluss bei einem Zweikampf verletzt.

Sunderland versuchte danach, irgendwie zurück ins Spiel zu kommen. Theo Morriss zog in der 92. Minute aus 20 Metern ab - der Ball ging knapp über die Latte. Das war’s dann auch schon mit der Aufholjagd. Trainer der Cats (dessen Name man nach dem Spiel vergeblich auf der Pressekonferenz suchte - angeblich "Stimme verloren") ließ über den Pressesprecher ausrichten: "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber Southampton war einfach kaltschnäuziger."

Kaltschnäuziger, ja - und vielleicht auch etwas cleverer. Während Sunderland stoisch an seiner "balanced"-Taktik festhielt, schalteten die Gäste in der Schlussphase auf volles Risiko um: offensiv, aggressiv, mit starkem Pressing. Die Cats wirkten überrascht, als plötzlich drei rote Trikots gleichzeitig an der Strafraumkante auftauchten.

In der 66. Minute gab’s dann noch die einzige Gelbe Karte des Abends - Charlie Ward grätschte in bester "Pokalfight-Manier" in den flinken Mike Keil hinein. "Ich hab den Ball gespielt", rief er empört - während der Schiedsrichter ihm schon die Karte zeigte. "Ja, aber welchen Ball?", raunte ein Southampton-Fan von der Tribüne.

Die letzte Viertelstunde glich eher einer Abwehrschlacht. Southampton wechselte hinten durch - Kai Whitman ging, Matthew Finnan kam (85.). Und zwischenzeitlich musste sogar Keeper Gabriel Clancy in der Halbzeitpause raus - offenbar mit muskulären Problemen -, ersetzt durch den 23-jährigen Jacob Weber, der seine Sache solide machte.

Die Cats dagegen liefen und liefen, als könnten sie durch pure Willenskraft den Ausgleich erzwingen. Sean Mayhew, der auffälligste Angreifer der Gastgeber, schüttelte nach dem Abpfiff nur den Kopf: "Wir hatten den Ball, aber kein Ziel. Vielleicht hätten wir einfach mal draufhalten sollen - so wie die."

Southampton-Trainer Böning wirkte dagegen gelöst: "Ein Pokalabend wie aus dem Lehrbuch. Geduldig bleiben, Torchancen erzwingen, einmal treffen, fertig." Das klang weniger nach Euphorie, mehr nach Kalkül - aber es funktionierte.

Am Ende stand also ein nüchternes 0:1 (0:0) - nüchtern, aber effektiv. Southampton hatte elf Torschüsse und eine Chancenverwertung von exakt 9,09 Prozent. Das reicht im Pokal - und manchmal auch für die Geschichtsbücher.

Für Sunderland bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Tore schießt. Und dass Fußball eben manchmal ein grausam ehrlicher Sport ist: Einer trifft, der andere redet vom "guten Gefühl".

Vielleicht hat es ein älterer Fan im Pub nach dem Spiel am besten zusammengefasst: "Wir hatten den Ball - sie hatten das Tor." Und damit war alles gesagt.

26.07.643990 18:42
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