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Bad Dürrenberg trotzt Wusterwitz: 2:2 der besseren Sorte

Wenn am Freitagabend 5455 Zuschauer in Bad Dürrenberg den Weg ins Stadion finden, dann weiß man: Es gibt Regionalliga-Fußball von der emotionalen Sorte. Und diesmal bekamen sie für ihr Eintrittsgeld eine Achterbahnfahrt - mit Toren, Verletzungen, Gelben Karten und einem Finale, das selbst Drehbuchautoren zu kitschig gewesen wäre. Am Ende stand ein 2:2 zwischen Bad Dürrenberg und dem FC Wusterwitz, das keiner so richtig einordnen konnte - zu wild war der Verlauf.

Die erste Halbzeit? Durchaus sehenswert, wenn man auf gepflegtes Mittelfeldgeplänkel steht. Bad Dürrenberg hatte mehr Ballbesitz (57,6 Prozent), ließ den Ball laufen, als ginge es um Schönheitsnoten. Doch Torgefahr? Fehlanzeige. Trainer Daniel Mahler schien in der Pause trotzdem zufrieden. "Wir haben alles im Griff", sagte er zu seinem Co-Trainer - Sekunden bevor dieser auf die Statistik blickte und flüsterte: "Elf Abschlüsse, null Tore - das ist Kontrolle?"

Wusterwitz, unter der Leitung von Tom Fritz, hielt dagegen, wie man es von einem Team kennt, das lieber offensiv denkt, als defensiv handelt. Finn Roth und Stephan Werner prüften den jungen Keeper Hugo da Costa mehrfach, der sich mit Glanzparaden empfahl. Nur einmal, in der 40. Minute, hielt das Stadion den Atem an, als Roths Schuss knapp am Pfosten vorbeistrich. "Ich wollte ihn mit dem Außenrist reindrehen", grinste der 23-Jährige später. "Hat nur der Ball nicht verstanden."

Nach dem Seitenwechsel wurde es turbulent. Fritz brachte den 18-jährigen Luca Philipp und den 17-jährigen Dieter Mann - und plötzlich hatte Wusterwitz jugendliche Unbekümmertheit im Sturm. In der 71. Minute zahlte sich das aus: Finn Roth, bis dahin der auffälligste Mann, traf nach Vorlage von Innenverteidiger Marco Müller zum 0:1. Es war ein Schuss, der so trocken kam wie der Humor seines Trainers. "Endlich mal einer, der das Tor auch trifft", brummte Fritz an der Seitenlinie.

Doch Bad Dürrenberg antwortete prompt. Nur eine Minute später, in Minute 72, schlug Urban Larsson zu. Der Schwede, bis dahin eher unauffällig, stand goldrichtig, als Fernando Xavier nach einer Einwechslung über links durchbrach und querlegte. 1:1 - und plötzlich wachte das Stadion auf. Larsson riss die Arme hoch, Mahler ballte die Faust. "Da haben wir gezeigt, dass wir Charakter haben", erklärte der Trainer später.

Dann die 83. Minute: Wieder Wusterwitz. Wieder ein Youngster. Der gerade 18-jährige Luca Philipp, erst zur Pause gekommen, nutzte einen abgefälschten Pass von Marko Weise und schob eiskalt ein. 1:2, und diesmal jubelte sogar der sonst stoische Fritz. "Da hab ich kurz Herzklopfen gehabt - aber das lag wohl am Kaffee", witzelte er nach Abpfiff.

Doch Fußball wäre kein Drama ohne letzten Akt. In der 89. Minute, als Wusterwitz schon an den Auswärtssieg glaubte, kam Bad Dürrenbergs erfahrener Rechtsverteidiger Pasi Ylönen nach Vorlage von Anton Andresen zum Schuss - und traf. 2:2. Ein Treffer, so wuchtig, dass selbst die Eckfahne zitterte. "Ich dachte, ich hau einfach mal drauf", lachte Ylönen. "Wenn’s schiefgeht, gibt’s wenigstens Applaus."

Danach ging’s noch einmal rund: Marcel Voigt verletzte sich unglücklich bei einem Zweikampf, die Nachspielzeit zog sich, und Finn Roth hatte in der 92. Minute sogar noch die Chance auf den Sieg - doch da Costa fischte den Ball mit einer Flugparade aus dem Winkel.

Am Ende standen 14 Torschüsse der Wusterwitzer gegen 11 der Gastgeber, ein ausgeglichenes Tackling-Verhältnis (49 zu 51 Prozent) und zwei Trainer, die beide fanden, ihr Team hätte eigentlich gewinnen müssen. "Wir haben das Spiel kontrolliert", sagte Mahler. Fritz konterte trocken: "Dann waren wir wohl die besseren Unkontrollierten."

Ein verdienter Punkt also, auch wenn beide Seiten mit leichtem Kopfschütteln in die Kabine gingen. Bad Dürrenberg bleibt damit im Tabellenmittelfeld, Wusterwitz verpasst knapp den Sprung nach oben - aber sorgt immerhin für Gesprächsstoff.

Und vielleicht war das das eigentliche Ziel dieses Abends: 5455 Menschen, die nach Hause gingen, diskutierend, lachend, kopfschüttelnd. Wie es eben ist, wenn der Fußball mal wieder zeigt, dass er keine Mathematik kennt - aber jede Menge Drama.

Oder, wie Ylönen beim Rausgehen murmelte: "Für so was spiel ich Fußball. Und für das Bier danach."

07.10.643993 22:53
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Klaus Toppmöller
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