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Ein kühler Märzabend, Flutlicht über dem Dürrenberger Stadion, knapp 4.900 Zuschauer mit Schal und Hoffnung bewaffnet - und ein Spiel, das erst spät Fahrt aufnahm, aber dann mit einem klaren 2:0 seinen verdienten Sieger fand: Bad Dürrenberg bleibt zu Hause eine Macht und schickt den FK Pirmasens mit hängenden Köpfen auf die lange Rückfahrt in die Pfalz. Trainer Daniel Mahler hatte seine Mannschaft wie gewohnt mit ruhiger Hand eingestellt: "Wir wollten nicht kopflos anlaufen, sondern sie müde spielen", sagte er nach der Partie mit einem fast schon schulmeisterlichen Lächeln. Und tatsächlich: 57 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüsse - die Zahlen sprechen von Dominanz, auch wenn es bis zur 70. Minute eher nach einem Geduldsspiel aussah. Pirmasens-Trainerin Gudrun Schweitzer stand dagegen an der Seitenlinie mit verschränkten Armen und dem Gesichtsausdruck einer Frau, die ahnt, dass ihr Plan gerade in seine Einzelteile zerfällt. "Wir haben in der ersten Hälfte gut verteidigt, aber irgendwann kannst du dich nicht mehr nur auf das Glück verlassen", gab sie später zu. Dabei begann das Spiel durchaus lebhaft. Schon in der vierten Minute prüfte Juri Adamow den Gästekeeper Dennis Frei mit einem satten Distanzschuss - der erste von vielen. Frei, bester Mann bei Pirmasens, flog, hechtete, schimpfte. "Ich hatte das Gefühl, die schießen aus jeder Richtung auf mich", brachte er es später trocken auf den Punkt. Bad Dürrenberg ließ Ball und Gegner laufen, kombinierte sich geduldig durchs Mittelfeld, während Pirmasens nach und nach vom anfänglichen Offensivdrang in eine zähe Abwehrschlacht überging. Spätestens nach der Pause war klar: Schweitzer hatte auf Konterfußball umgestellt, Mahler blieb beim kontrollierten Druckspiel. Ein Spielbild wie aus dem Lehrbuch der Regionalliga: Heimteam dominiert, Gast lauert - und irgendwann knackt’s. In der 71. Minute endlich die Erlösung: Callum Fraser, eigentlich linker Verteidiger, startete über seine Seite, flankte präzise in den Strafraum, wo Ivan Maric lauerte. Der 33-Jährige nahm den Ball direkt - und diesmal hatte Frei keine Chance. 1:0. Stadion in Ekstase, Mahler mit geballter Faust, und Maric grinste: "Ich hab’ gehofft, dass Callum das Ding wirklich reinbringt - und ja, ich war so frei." Nur sechs Minuten später war das Spiel entschieden. Juri Adamow, der Veteran im Mittelfeld, fasste sich ein Herz und zog aus gut 20 Metern ab. Der Ball klatschte an den Innenpfosten und ins Netz. Vorlagegeber Anton Andresen lief jubelnd auf ihn zu, während Adamow nur die Arme ausbreitete, als wolle er sagen: "Na, endlich!" 2:0 - und das Stadion sang. Pirmasens versuchte danach, die Ordnung wiederzufinden, wechselte in der 88. Minute gleich doppelt: der 18-jährige Stefan Keller kam für Alexander Satchmore, Noah Specht für Alex Coviello. Doch mehr als ein paar harmlose Distanzschüsse - darunter ein Versuch von Müjdat Öztürk in der 85. - sprang nicht heraus. Torwart Hugo da Costa im Dürrenberger Kasten blieb weitgehend beschäftigungslos. Die Schlussminuten gehörten den Gastgebern, die den Ball wie einen Pokal durch die eigenen Reihen zirkulieren ließen. "Das war Profi-Fußball im Regionalliga-Format", murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne, bevor er seine Bratwurst ansetzte. Man konnte ihm schwer widersprechen. Mahler fasste den Abend nüchtern zusammen: "Ich bin zufrieden, aber wir hätten das schon früher klar machen müssen." Sein Gegenüber Schweitzer nickte nur und meinte trocken: "Wenn wir so verteidigen müssen, wie heute, können wir auch gleich den Bus im Strafraum parken." Statistisch war das Ergebnis so eindeutig wie das Spielgefühl: 22:5 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und ein Gegner, der am Ende mehr Kilometer hinterherlief als nach vorn. Bad Dürrenberg zeigte, dass Geduld eine Waffe sein kann - und dass Routine manchmal mehr wert ist als jugendlicher Elan. Zum Schluss blieb der Heimsieg nicht nur ein Ergebnis auf der Anzeigetafel, sondern auch ein Statement an die Liga: Diese Mannschaft weiß, wann und wie sie zupackt. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, hallte noch ein langer, zufriedener Ruf durch die Nacht: "Bad Dürrenberg lebt!" In der Regionalliga B jedenfalls dürften sie das ab heute alle wissen. 12.02.643994 03:37 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack