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25832 Zuschauer im Estadio Municipal von Jalapa rieben sich am Samstagabend verwundert die Augen: Kaum hatte Schiedsrichter Guzmán angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. Drei Minuten waren gespielt, als der 19-jährige Wirbelwind Javi Granados die rechte Seite entlangflitzte, die Flanke von Carlos Machado direkt nahm und trocken zum 1:0 einschob. "Ich hab gar nicht nachgedacht - einfach draufgehauen", grinste der Youngster später. Trainerin Pia Castell stand da schon mit dem ersten erleichterten Lächeln des Abends an der Seitenlinie. Die ersten zwanzig Minuten gehörten klar den Gastgebern. Atletico Jalapa kombinierte flüssig, hatte 56 Prozent Ballbesitz und ließ den Ball laufen, als wäre er ihr bester Freund. Eric Bernheim prüfte mehrfach den Halcones-Keeper Antonio Chalana, der seine 36 Jahre mit zwei artistischen Paraden vergessen ließ. "Ich wollte zeigen, dass alte Katzen noch Krallen haben", knurrte Chalana nach Spielende - und wurde in der 60. Minute prompt durch den jüngeren Alberto Djalo ersetzt. Halcones-Coach Rudi Fischer hatte sein Team offensiv eingestellt, aggressiv, aber nicht immer präzise. Seine Stürmer Vicente Arrondo und Jacob Callahan kamen zwar zu Abschlüssen, doch Jalapas Keeper Marian Stoitschkow war stets zur Stelle. Nur einmal, in der 27. Minute, stockte den Heimfans der Atem, als Arrondo frei durch war und verzog - die Kugel landete im Nachbarort. Kurz vor der Pause zeigte sich, dass auch Jalapa nicht ohne Makel blieb: Nestor Goncalves sah Gelb für ein rustikales Einsteigen, das der Ball wohl nicht überlebt hätte, wäre er ein Mensch gewesen. Trotzdem ging es mit 1:0 in die Kabine - und mit Applaus, der in Jalapa so selten ist wie Schnee im Sommer. Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Jalapa kontrollierte, Halcones lauerte. In der 55. Minute schlug Granados wieder zu - eiskalt, diesmal nach einem Abpraller. 2:0, und die Tribünen bebten. Trainerin Castell ballte die Faust, drehte sich dann zu ihrem Co-Trainer und sagte, halb ernst, halb lachend: "Wenn er so weitermacht, muss ich ihm den Führerschein für Übermut abnehmen." Doch wer dachte, das Spiel sei entschieden, unterschätzte die Halcones. Fischer reagierte, brachte frische Beine und ließ offensiver anrennen. Zwei Minuten später, in der 69., fiel das 3:0 - Eric Bernheim krönte seine starke Leistung nach Vorarbeit von Daniel Klose. Ein Schuss, so platziert, dass selbst ein Torwart mit drei Armen keine Chance gehabt hätte. Was dann folgte, war das typische "Jalapa-Phänomen": Drei Tore Vorsprung, und plötzlich spielt die Mannschaft, als wolle sie das Drama. Im Gegenzug (71.) traf Vicente Arrondo nach schöner Vorlage von Jeppesen zum 3:1. Die Halcones witterten Morgenluft, wurden wilder, lauter - und manchmal unfairer. Nachwuchsstürmer Noe Bosingwa sah Gelb, nachdem er Goncalves den Ball samt Schienbein abgenommen hatte. Die Schlussphase hatte dann alles, was ein Herzinfarktspiel braucht. Jalapa verteidigte, Halcones stürmten, und Fischer schrie sich an der Seitenlinie die Lunge aus dem Leib: "Lauft, Männer, lauft!" - woraufhin sein Assistent trocken meinte: "Sie laufen bereits, Chef." In der 86. Minute wurde der Coach dann für seinen Mut belohnt: Bosingwa, gerade 19, traf nach Vorarbeit von Makukula sehenswert zum 3:2. Plötzlich war alles wieder offen, und 25.000 Zuschauer standen. Doch Jalapa rettete den Vorsprung über die Zeit - mit Glück, Geschick und gefühlt 13 Herzstillständen auf der Tribüne. Nach dem Schlusspfiff sagte Castell erleichtert: "Das war mehr Nervenkitzel, als ich bestellt hatte." Fischer hingegen wirkte trotz Niederlage kämpferisch: "Wir haben Moral gezeigt. Aber wir müssen anfangen, früher aufzuwachen - nicht erst nach dem dritten Gegentor." Die Statistik bestätigte den Eindruck: Jalapa hatte mehr Ballbesitz (56 zu 44 Prozent) und mehr Torschüsse (13 zu 10), doch spielerisch trennten beide Teams nur Nuancen. Die Halcones waren bissig, manchmal übermotiviert, aber nie aufgesteckt. Am Ende feierten die Fans in Jalapa ihre Helden, während Granados mit zwei Toren und einem breiten Grinsen zum Publikum winkte. Er hatte nicht nur das Spiel entschieden, sondern auch eine neue Hoffnung entfacht. Fazit des Abends: Drei Punkte, fünf Tore, unzählige Geschichten - und ein Gefühl, als hätte man 90 Minuten in einer Achterbahn verbracht. Wie sagte ein Zuschauer beim Bierverkauf treffend: "Wenn Jalapa so weitermacht, wird jeder Spieltag zur Therapie - für Herz und Seele." 30.08.643990 17:05 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack