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Ein lauer Abend in Puerto La Cruz, 29.887 Zuschauer im Stadion, das Flutlicht flackert kurz, dann geht’s los: Atletico Anzoategi gegen Guaro Larense, 18. Spieltag der 1. Liga Venezuela. Was in der ersten Halbzeit nach einer gepflegten Nullnummer roch, wurde nach der Pause zu einem kleinen Fußballfest - zumindest für die Hausherren. 4:0 hieß es am Ende, und das war so deutlich, wie es klingt. Trainer Oliver Sutter hatte sein Team von Beginn an offensiv eingestellt, doch die erste Hälfte war ein Lehrstück in Geduld. Mehr Ballbesitz (52 Prozent), mehr Torschüsse (18:7), aber keine Tore. "Ich hab’ den Jungs in der Kabine gesagt: Wenn ihr weiter so schießt, könnt ihr auch gleich ins Baseballstadion wechseln", grinste Sutter später. Offenbar half’s - denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, ging die Post ab. In der 48. Minute war es Harold Halse, der den Bann brach. Nach einem feinen Zuspiel von Felipe Ferrer zog der Mittelfeldmann von links nach innen und drosch den Ball unhaltbar ins lange Eck. Der Jubel war so laut, dass man ihn vermutlich noch an der Karibikküste hörte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Halse, "der Ball wollte auch endlich mal rein." Nur sieben Minuten später (55.) legte der flinke Jelle Roemer nach. Nach einem weiten Ball von Linksverteidiger Bailey Whelan - der zuvor Gelb gesehen hatte und offenbar keine Lust mehr auf Verteidigen hatte - startete Roemer durch, lupfte über Torhüter Landseer hinweg und ließ sich feiern wie ein Rockstar auf Heimtour. Spätestens da wirkte Guaro Larense konsterniert. Trainer Jan Ost stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, sah aus, als wolle er fragen, ob jemand den Stecker gezogen habe. Seine Mannschaft, defensiv solide in Halbzeit eins, zerfiel binnen Minuten. "Wir haben einfach aufgehört, an uns zu glauben", seufzte Ost nach dem Spiel. "Und Atletico hat das gnadenlos ausgenutzt." Das 3:0 fiel in der 61. Minute - diesmal traf Giacomo Morelli, der Veteran im Angriff, nach Vorlage von Andres Linares. Morelli drehte jubelnd ab, zeigte auf den Himmel und rief in Richtung Tribüne: "Das war für meinen alten rechten Fuß!" - eine Anspielung auf seine Verletzung vor zwei Monaten. Danach war die Messe gelesen. Atletico kombinierte munter weiter, Guaro rannte erfolglos hinterher. Der Ballbesitz blieb ausgeglichen, doch die Effektivität unterschied die Teams wie Tag und Nacht. Die Gäste brachten ihre sieben Torschüsse meist aus der Distanz an, Torhüter Vilmos Orth hatte einen entspannten Abend - abgesehen von einem Moment in der 75. Minute, als Duarte Gama frei vor ihm auftauchte, aber den Ball eher Richtung Parkplatz schickte. "Ich schwöre, ich wollte flanken", behauptete Gama später mit einem müden Lächeln. In der Nachspielzeit krönte sich Andres Linares schließlich selbst zum Torschützen, als er nach einem Eckball von Christiano Makukula den Ball mit der Stirn über die Linie drückte (91.). Ein 4:0, das keiner mehr wegdiskutieren konnte. Die Fans feierten ihre Mannschaft minutenlang mit Sprechchören, während Trainer Sutter ein seltenes Zugeständnis machte: "Heute hab ich wenig zu meckern. Nur, dass Giacomo in der 82. Minute schon hätte das Fünfte machen können - aber ich will ja nicht kleinlich sein." Guaro Larense dagegen schlich vom Platz, als wäre man über Nacht in eine andere Liga abgestiegen. Kapitän Emilio Aguas fasste es trocken zusammen: "Wir hatten keinen Plan B. Vielleicht nicht mal Plan A." Am Ende bleibt ein Ergebnis, das Atletico Anzoategi in der Tabelle nach vorn katapultieren dürfte - und ein Spiel, das zeigt, wie schnell Fußball kippen kann, sobald einer das Visier richtig einstellt. Vielleicht sollte man den Fans von Anzoategi raten, künftig pünktlich aus der Pause zurückzukommen. Sonst verpassen sie das Beste. 25.08.643987 07:42 |
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Mario Basler