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Major League | 25. Spieltag | 05.09.26 | Atlanta Gorillas - Inter Miami 6:2 Dabei begann Miami durchaus munter. Pekka Österberg tauchte in der Anfangsphase mehrfach gefährlich auf, als hätte er die Absicht, die Gastgeber möglichst früh aus ihrem Feierabendplan zu bringen. Doch Atlanta blieb ruhig, kontrolliert und mit 58,9 Prozent Ballbesitz erstaunlich selten in Gefahr, die Kontrolle zu verlieren. Inter kam insgesamt auf sieben Torschüsse, Atlanta auf 16. Der Unterschied lag also nicht nur auf der Anzeigetafel, sondern auch in den Zahlen - und vermutlich in den Gesichtsausdrücken der jeweiligen Trainerbänke. In der 19. Minute schlug Vladimir Dubovsky zu. Der Innenverteidiger, eigentlich eher für das Verhindern als für das Erzählen von Tor-Geschichten zuständig, stellte nach Vorlage von Tomas Baranek auf 1:0. "Ich dachte kurz, ich sei falsch abgebogen und im Sturm gelandet", soll Dubovsky später mit einem Grinsen gesagt haben. Die Zuschauer nahmen es dankbar zur Kenntnis. Verteidiger mit Torinstinkt sind schließlich die heimische Antwort auf ein Überraschungsei. Atlanta blieb seinem Plan treu: ausgewogene Grundordnung, ausgewogenes Passspiel, aber beim Abschluss durchaus die Devise "bei jeder Gelegenheit versuchen". Inter Miami agierte offensiver, suchte jedoch ohne aktives Pressing nach Zugriff. Das wirkte phasenweise so, als hätte die Mannschaft beschlossen, Atlanta höflich beim Kombinieren zuzusehen. In der 32. Minute erhöhte Alessio Fiumefreddo nach Zuspiel von Zivojin Dordevic. Sieben Minuten später war Fiumefreddo erneut zur Stelle, diesmal nach Vorarbeit von Kai Haas. Spätestens jetzt begann die Suche nach dem passenden Superlativ - und sie wurde unangenehm schnell fündig. "Wir wollten kompakt bleiben", erklärte Atlantas Trainerin Anja Meister später sinngemäß. "Das hat funktioniert. Und dann haben wir festgestellt, dass Tore auch ganz nett sind." Kurz vor der Pause machte Rafael Martins das 4:0 perfekt. Der linke Angreifer verwertete Fiumefreddos Vorlage in der 41. Minute. Während die Atlanta-Spieler jubelten, soll ein Miami-Verteidiger einen Mitspieler gefragt haben: "Haben wir eigentlich schon Halbzeit?" Die Antwort lautete vermutlich: noch nicht - aber mental war sie längst erreicht. Nach dem Seitenwechsel änderte sich am Bild wenig. Atlanta blieb ausgeglichen aufgestellt, mit großem Einsatz und ohne Pressing, was angesichts der Führung fast schon luxuriös wirkte. Miami hatte nun zwar mehr Gründe, offensiv zu denken, fand aber weiterhin nur selten einen Weg durch die Gastgeber. In der 65. Minute traf Dordevic nach Vorlage von Baranek zum 5:0. Zwei Minuten später legte Martins nach, diesmal mit Unterstützung von Miguel Manuel. 6:0 - und das Spiel hatte endgültig den Charakter einer sehr einseitigen Lehrveranstaltung angenommen. Gavin Knipp, Trainer der Gäste, soll an der Seitenlinie trocken bemerkt haben: "Wir haben heute viel gelernt. Vor allem, dass ein Spiel neunzig Minuten dauert." Immerhin: In der Nachspielzeit zeigte Inter Miami noch Widerstand. Alfonso Vazquez erzielte in der 92. Minute das 1:6, Pekka Österberg traf eine Minute später zum 2:6. Mehr als Ergebniskosmetik war das nicht, aber immerhin Kosmetik - und die ist bekanntlich besser als gar nichts. Atlanta gewinnt damit einen Abend, an dem fast alles gelang. Miami bleibt die Erkenntnis, dass offensive Aufstellung allein noch keine Offensive ergibt. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Gut, dass wir nicht nach Hause gegangen sind. Sonst hätten wir die letzten beiden Gegentore verpasst." 05.09.2026 21:05 |
Sprücheklopfer
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Rudi Völler