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Ein kalter Märzabend, 20:30 Uhr, 32.147 Zuschauer im Stadion von Astur CF - und ein Spiel, das zunächst so gar nicht nach Heimsieg roch. Lanzarote CF, die Gäste von der Kanareninsel, kamen mit offensiver Marschroute und sonnengebräuntem Selbstbewusstsein angereist. Und tatsächlich: Nach 19 Minuten lag der Ball im Netz der Gastgeber. Ulf Berg, der 32-jährige Dauerläufer auf der rechten Seite, traf nach Vorarbeit von Pierre Bisson trocken ins Eck. Trainer Meister Leverkusen (ja, der Mann heißt wirklich so) ballte die Faust, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. Astur-Coach Stefan Sühr dagegen schüttelte nur den Kopf. Später sagte er mit einem schiefen Grinsen: "Wir haben wohl gedacht, Lanzarote bringt nur Flip-Flops mit. Stattdessen haben sie uns erst mal die Badehose geklaut." Passend dazu hatte seine Elf in der ersten Halbzeit zwar ein paar ordentliche Szenen - zehn Abschlüsse insgesamt, aber vor der Pause wollte der Ball einfach nicht rein. Fabio Conceicao prüfte Lanzarotes Keeper Vincent Maurice gleich mehrfach, doch der junge Franzose fischte alles raus, was kam. Dann kam die Pause - und offenbar auch eine ordentliche Gardinenpredigt. "Der Trainer hat uns gesagt, wir sollen endlich so spielen, als hätten wir verstanden, dass das hier kein Freundschaftsspiel ist", verriet Mittelfeldmann Joao Couto hinterher. Und siehe da: Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff stand es 1:1. Fabio Conceicao, bislang glücklos, schlenzte den Ball nach einem schnellen Umschaltmoment ins lange Eck. Der Jubel war laut, der Trainerapplaus sogar lauter. Lanzarote reagierte hektisch. Leverkusen wechselte gleich dreifach in der Pause - offenbar in der Hoffnung, dass frische Beine das Spiel stabilisieren würden. Doch das Gegenteil trat ein. Die neu formierte Defensive wirkte unsortiert, und Astur nutzte das aus. In der 66. Minute war es Spiridon Aldonin, der nach feiner Flanke von Marc Alvar die Kugel artistisch über die Linie drückte - 2:1! Der Stadionsprecher hatte Mühe, die Stimme zu behalten, während die Fans sangen, als sei der Klassenerhalt schon sicher. Lanzarote stemmte sich gegen die Niederlage, hatte am Ende sogar mehr Ballbesitz (52 Prozent) und schoss achtmal gefährlich aufs Tor. Ulf Berg, der Torschütze, versuchte es in der 88. Minute noch einmal mit einem Strahl aus 20 Metern - doch Jerzy Nawalka, der junge Keeper von Astur, tauchte blitzschnell ab und rettete den Sieg. "Ich hab den Ball schon im Netz gesehen", gestand Berg nach Abpfiff, "aber der Torwart hat mir den Urlaub verdorben." Trainer Leverkusen wirkte nachdenklich: "Wir waren gut, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Astur war heute einfach dreckiger - im positiven Sinne." Stefan Sühr konterte mit einem süffisanten Lächeln: "Manchmal muss man eben im Matsch wühlen, um Gold zu finden." Statistisch gesehen war das Spiel ein Lehrstück in Effizienz. Zehn Schüsse aufs Tor für Astur, acht für Lanzarote - doch entscheidend war die Kaltschnäuzigkeit in Hälfte zwei. Während Lanzarote trotz mehr Ballbesitz kaum klare Chancen kreierte, zeigte Astur, was man mit Mut und etwas Wut im Bauch erreichen kann. Besonders Aldonin, der nicht nur traf, sondern auch permanent anspielbar blieb, wurde vom Publikum mit Sprechchören gefeiert. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte der 26-Jährige später lachend. "Und Tore machen macht nun mal Spaß." In der Schlussphase wechselte Sühr defensiv - Henry Grant kam für den ausgepumpten Lionel Rocha, und die Gastgeber stellten auf eine stabilere Formation um. Lanzarote rannte weiter an, presste nun hoch, beinahe verzweifelt, doch Astur hielt mit Leidenschaft dagegen. Als Schiedsrichter Delgado in der 94. Minute abpfiff, fiel Sühr seinem Co-Trainer in die Arme. Das Drehbuch des Spiels hätte Hollywood nicht kitschiger schreiben können: Rückstand, Wende, Triumph - und das alles in einem Stadion, das bebte wie ein Vulkan kurz vorm Ausbruch. Für Lanzarote, die Inseltruppe, war es dagegen ein Abend zum Vergessen. Ihre Offensive verpuffte, ihre Defensive verlor die Linie, und am Ende blieb nur der Trost, dass Sonne und Meer auf sie warten. Astur CF dagegen feierte den Erfolg wie eine kleine Meisterschaft. "Das war Leidenschaft pur", grinste Stefan Sühr bei der Pressekonferenz. "Und zur Not spielen wir nächste Woche wieder mit Badehose - Hauptsache, wir treffen zweimal." Ein Spiel also, das zeigte: Statistik ist schön, Tore sind schöner. Und manchmal reicht ein bisschen nordspanische Sturheit, um die Sonne von Lanzarote verblassen zu lassen. 07.07.643993 05:50 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler