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Ein 0:0 kann vieles sein: langweilig, gerecht, oder - im Falle des Liga-Pokal-Spiels zwischen Aschaffenburg und dem SV Linx - eine tragikomische Aufführung über verpasste Chancen, jugendlichen Übermut und einen Torhüter, der am Ende wohl seine Handschuhe einrahmen lassen darf. 1385 Zuschauer froren sich am Samstagabend in Aschaffenburg die Finger wund und wurden Zeugen eines Spiels, das zwar kein Tor, aber dafür reichlich Gesprächsstoff bot. Von Anfang an drückte das Team von Trainer Tesco Toni auf die Tube. "Wir wollten zeigen, dass Offensive kein Schimpfwort ist", erklärte Toni später mit einem Grinsen, "aber anscheinend war das Tor beleidigt und hat einfach nicht mitgespielt." Schon in der sechsten Minute prüfte der 17-jährige Harold Sutphen Linx-Keeper Oscar Haase mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe - ein Vorgeschmack auf eine Partie, in der Aschaffenburg 12 Mal aufs Tor schoss, aber keinen Treffer fand. Linx hingegen war mit vier Schüssen aufs Tor eher sparsam unterwegs. Trainer Michal Dickschat hatte offenbar auf kontrollierte Defensive gesetzt, und seine Mannschaft lieferte: diszipliniert, kompakt, beinahe stoisch. "Wir wollten das Spiel beruhigen", sagte Dickschat nach Abpfiff, "und das ist uns so gut gelungen, dass sogar die Fans eingeschlafen sind." Aschaffenburg hatte 52 Prozent Ballbesitz, dominierte phasenweise das Mittelfeld, doch die entscheidende Lücke fand sich nie. Der junge Mittelstürmer Hermann König, der gleich vier Mal gefährlich zum Abschluss kam, war der tragische Held des Abends. Ein Kopfball in der 39. Minute ging Zentimeter über die Latte, sein Schuss in der 70. Minute wurde von Haase mit einer Glanzparade entschärft. "Ich hab’ mir gedacht: Irgendwann muss er doch rein", stöhnte König nach dem Spiel. "Aber der Ball wollte einfach nicht hören." Zwischen den Chancen gab’s reichlich gelbe Farbe zu sehen. Aschaffenburg sammelte gleich vier Verwarnungen - Alberto Derlei (20.), Dylan Primes (25.), Hermann König (72.) und Alex Postiga (86.) trugen ihren Teil zur gelben Statistik bei. Auch Linx hielt mit: Hermann Grimm (35.) und Johannes Urban (82.) wurden verwarnt. "Zwei Hermanns, zwei Karten - das war wohl Schicksal", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Taktisch blieb Aschaffenburg seinem offensiven Kurs über 90 Minuten treu. Kein Pressing, aber klare Ausrichtung nach vorn, aggressiv in den Zweikämpfen, mit viel Aufwand, jedoch wenig Ertrag. Linx dagegen spielte, wie man so schön sagt, "balanciert" - was in diesem Fall bedeutete: sicher stehen, wenig riskieren, hoffen, dass vorne einer durchrutscht. Doch auch deren Stürmer Robert Jahn und Johannes Urban fanden in Lucas Forsythe, dem 17-jährigen Keeper aus Aschaffenburg, ihren Meister. Besonders in der 53. Minute, als Urban frei vor dem Tor auftauchte, zeigte Forsythe starke Reflexe. "Wir haben hier heute ein Spiel aus einem Guss gesehen - leider ohne Farbe im Ergebnis", kommentierte ein sarkastischer Reporter auf der Pressetribüne, während er seine Finger über den Laptop rieb, um sie warm zu halten. Die Zuschauer hielten sich mit Humor über Wasser. "Wenn’s so weitergeht, gibt’s wenigstens keinen Stau nach dem Abpfiff", meinte ein älterer Herr, der seit 40 Jahren zum Stadion pilgert. Trainer Toni nahm den Punkt sportlich: "Klar, wir hätten gewinnen müssen. Aber wenn du gefühlt 90 Minuten im gegnerischen Strafraum wohnst und trotzdem keine Post bekommst, dann war’s halt nicht dein Tag." Sein Gegenüber Dickschat nickte und fügte trocken hinzu: "Wir haben genau das gespielt, was wir wollten. Kein Tor kassiert, keine Nerven verloren - das ist für uns fast wie ein Sieg." So endete das Duell Aschaffenburg gegen Linx mit einem 0:0, das in keiner Highlight-Show lange überleben wird, aber in den Notizbüchern der Statistikfreunde durchaus Eindruck macht: 12:4 Torschüsse, 52 zu 48 Prozent Ballbesitz, sechs gelbe Karten und ein Hauch von jugendlicher Ungeduld gegen erfahrene Gelassenheit. Das Publikum verabschiedete die Teams mit höflichem Applaus - vielleicht aus Anerkennung, vielleicht aus Erleichterung, dass es endlich vorbei war. Und so bleibt von diesem Samstagabend in Aschaffenburg die Erkenntnis: Manchmal gewinnt der, der nicht trifft - zumindest moralisch. Oder, wie Trainer Toni es formulierte, während er seinen Schal enger zog: "Wir haben 0:0 verloren - aber wenigstens schön dabei ausgesehen." 23.07.643987 05:53 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird