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Manchmal schreibt der Fußball keine Geschichten, er kritzelt sie zäh und mit stumpfem Bleistift aufs Papier. Das Duell zwischen der SG Rieschweiler und Borussia Neunkirchen am Samstagabend war so eine Geschichte: 2398 Zuschauer sahen viel Einsatz, viel Staub - und am Ende ein spätes, aber entscheidendes 0:1 für die Gäste aus dem Saarland. Schon der Anstoß um 20:15 Uhr versprach Flutlichtromantik, aber wer auf ein Feuerwerk hoffte, musste sich mit Funkenflug aus den Zweikämpfen begnügen. Rieschweiler begann forsch, hatte durch Luka Fischer bereits in der zweiten Minute den ersten Abschluss, doch der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei. In den folgenden Minuten entwickelte sich ein Spiel, das man in der Fachsprache wohl "intensiv" nennt - und in der Fankurve eher "nix für schwache Nerven". Borussias Jungspund Karsten Kirchner, gerade einmal 18, prüfte gleich mehrfach den Reflexapparat von SG-Keeper Finn Brauer. In der 23. Minute rauschte er abermals heran, diesmal mit dem Selbstbewusstsein eines Stürmers, der weiß, dass er gleich Geschichte schreiben könnte - nur um den Ball dann in die Arme des Torwarts zu schieben. Rieschweilers Trainer (der Name blieb auf dem Spielbericht mysteriöserweise ungenannt) brüllte "Jemand muss den Jungen mal bremsen!", während sein Gegenüber Kada Schmide auf der Gästebank genüsslich schmunzelte: "Karsten braucht keine Bremse, nur Zielwasser." Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Zwei Gelbe Karten - Javier Montanes (36.) und Blagoj Donkow (42.) - sorgten für die nötige Würze. Schmide kommentierte das in der Pause trocken: "Wenn meine Jungs schon Gelb sehen, dann wenigstens, weil sie arbeiten." Nach Wiederbeginn blieb das Bild gleich: Rieschweiler hatte leicht mehr Ballbesitz (53,7 Prozent) und kombinierte gefällig, aber ohne Durchschlagskraft. Neunkirchen lauerte, spielte diszipliniert und schickte weiter Kirchner, Berndt und Arndt in die Lücken. In der 56. Minute klatschte ein Schuss von Meik Arndt an den Außenpfosten - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Rieschweiler musste in der 70. Minute einen Schreckmoment verkraften, als Nevio Reiter verletzt vom Platz musste. Für ihn kam Michael Krüger, der sich mit gewohnter Leidenschaft ins Spiel warf - und prompt Gelb kassierte (76.). Zu diesem Zeitpunkt war die Partie längst in eine Mischung aus Geduldsspiel und Gedränge mutiert. Dann die 74. Minute: Blagoj Donkow, schon verwarnt, rauschte in einen Zweikampf, bei dem der Ball allenfalls zufällig beteiligt war. Gelb-Rot. Rieschweiler nur noch zu zehnt. "Da war’s dann ein anderes Spiel", gab Kapitän Jürgens später zu. Und tatsächlich: Nur drei Minuten später fiel die Entscheidung. Der eingewechselte Manfred Krug (19) setzte sich auf links durch, legte quer, und Meik Arndt vollendete eiskalt aus rund 16 Metern - 0:1. Der Jubel der Borussen war so laut, dass man ihn wahrscheinlich bis zur Bäckerei an der Hauptstraße hörte. Arndt selbst grinste nach Schlusspfiff: "Ich hab einfach draufgehalten. Und diesmal war das Zielwasser da." Rieschweiler versuchte noch einmal alles. Fischer schoss in der 86. Minute, Krüger in der Nachspielzeit - beide Male scheiterte man am hervorragenden Luis Eximeno im Neunkirchener Tor. Schmide lobte seinen Keeper anschließend überschwänglich: "Luis hat heute gehalten wie ein Mann mit drei Händen." Am Ende blieb es beim 0:1, einem Ergebnis, das den Spielverlauf vielleicht nicht vollständig widerspiegelt, aber den Unterschied zwischen Effektivität und Aufwand deutlich macht. Beide Teams kamen auf 13 Torschüsse, doch nur einer fand den Weg ins Netz. In der Mixed Zone sah man enttäuschte Gesichter bei den Gastgebern. "Wir waren nicht schlechter", knurrte Fischer, "aber manchmal ist Fußball halt ein mieser Freund." Auf der anderen Seite freute sich der junge Siegtorschütze Arndt über seinen ersten Treffer in der Verbandsliga: "Wenn ich das nächste Mal treffe, bring ich Kuchen mit. Versprochen." Trainer Schmide bilanzierte gewohnt trocken: "Drei Punkte, null Poesie - mir reicht’s." Und während die letzten Flutlichter über dem Rasen erloschen, blieb der Eindruck eines Spiels, das kein Spektakel war, aber eine Mahnung: Wer zu lange Chancen liegen lässt, darf sich am Ende nicht wundern, wenn der Gegner sie nutzt. Rieschweiler startet also mit einer bitteren Heimniederlage in die Saison. Borussia Neunkirchen hingegen bewies, dass jugendlicher Elan und ein Hauch Glück manchmal mehr wert sind als 53 Prozent Ballbesitz. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Schön war’s nicht. Aber Hauptsache, der Ball war mal wieder im Tor." 29.05.643990 23:30 |
Sprücheklopfer
Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum Gegentor ganz gut geklappt.
Thomas Häßler