Jornal do Brasil
+++ Sportzeitung für Brasilien +++

Arnautovic rettet Flamengo in letzter Minute - Vasco verzweifelt an sich selbst

48.448 Zuschauer im altehrwürdigen Maracanã hielten am 15. Spieltag der brasilianischen Liga den Atem an. 90 Minuten lang schien es, als würde dieses Derby zwischen CF Flamengo und Vasco da Gama in der Kategorie "nett, aber torlos" enden - bis ein 18-jähriger Österreicher namens Marko Arnautovic beschloss, dass Fußball nicht immer gerecht, aber manchmal wunderschön sein kann. Sein Treffer in der Schlussminute sicherte Flamengo den 1:0-Sieg und ließ die Kurve explodieren wie eine Lunte im Karneval.

Von Beginn an war klar, wer hier das Sagen haben wollte: Flamengo. 15 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz und eine Offensive, die zwar ständig anrannte, aber zunächst eher an ein Orchester ohne Dirigenten erinnerte. Filipe Gama prüfte den Torwart früh (9.), Emilio Helguera drosch den Ball in den Abendhimmel (31.), und Aki Ukkonen versuchte es gleich dreimal - einmal sogar mit dem Kopf, was ihm laut seinen Mitspielern sonst nur beim Friseur passiert.

"Wir wollten unbedingt, aber manchmal wollte der Ball einfach nicht", grinste Trainer Dino Ma nach dem Spiel. "Ich habe in der Pause zu den Jungs gesagt: Wenn ihr schon so schön spielt, dann lasst wenigstens einen rein - ins Tor, nicht ins Aus."

Vasco da Gama hingegen hatte offenbar beschlossen, Minimalismus als Lebensstil zu pflegen. Ganze zwei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten - der erste in der sechsten Minute durch Emanuele dEpiro, der zweite nach der Pause von Robin Verellen. Danach folgte vor allem Verteidigungsarbeit, die mehr mit Beten als mit Taktik zu tun hatte. Trainer Patrick Kunz Gouveia schob die Hände tief in die Taschen, während sein Team den Ball so konsequent mied, als hätte er Hausarrest.

Taktisch blieb Flamengo das aktivere Team. Immer offensiv ausgerichtet, mit sicherem Passspiel und zunehmendem Pressing. Vasco dagegen hielt an seinem "Pressing? Nein danke"-Motto fest, was spätestens nach der 70. Minute zur Einladung wurde. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Kunz Gouveia, "das haben wir geschafft. Leider so kompakt, dass keiner mehr vorne war."

Der junge Marko Arnautovic wurde zur Schlüsselfigur. Nach seiner Einwechslung zur Halbzeit brachte er frischen Wind über rechts, kombinierte mutig mit Hugo Custodio und Pedro Veloso. Veloso selbst sah in der 74. Minute Gelb, nachdem er den Ball mit einem Tackling so eroberte, dass der Schiedsrichter sich kurz fragte, ob er im Kickboxen gelandet war.

Dann kam die 90. Minute. Custodio flankt, halb elegant, halb verzweifelt. Arnautovic startet, jung, frech, vielleicht auch ein bisschen zu selbstbewusst - und trifft. Flach, präzise, unhaltbar. 1:0. Ein Tor, das so spät kam, dass selbst die Nachspielzeit kurz beleidigt war. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte Arnautovic hinterher, noch mit Adrenalin in der Stimme. "Ich hab den Ball gesehen und einfach gemacht. Dino hat geschrien, ich soll ruhig bleiben. Aber wer bleibt da ruhig?"

Vasco versuchte noch, wenigstens den Anstoß korrekt auszuführen, aber mehr war nicht drin. Stattdessen kassierte Slobodan Ergic in der 91. Minute noch Gelb - sinnbildlich für einen Abend, an dem Vasco zwar körperlich anwesend war, aber geistig schon beim nächsten Training.

In der Nachspielzeit sah sogar Mario Berjon noch Gelb, offenbar weil er das Zeitspiel so kunstvoll betrieb, dass selbst der Schiedsrichter kurz klatschen wollte.

"Das war nicht schön, aber verdient", ordnete Dino Ma nüchtern ein. "Wenn du 15 Mal schießt und der Gegner zweimal, dann kannst du nicht ewig Pech haben."

Kunz Gouveia blieb trotz der Niederlage gefasst: "Wir haben eine junge Mannschaft. Leider auch im Kopf. Aber vielleicht lernen sie, dass man Spiele nicht nur mit Verteidigen gewinnt."

Als die Fans von Flamengo das Stadion verließen, sangen sie - laut, heiser, glücklich. Sie wussten: Es war kein glanzvoller Sieg, aber einer dieser Abende, die man in Rio noch lange erzählt. Vom Teenager mit dem goldenen Fuß, vom Trainer mit den Nerven aus Drahtseil - und von Vasco da Gama, das sich selbst im Weg stand.

Und irgendwo auf der Tribüne, zwischen Feuerwerk und Fanfaren, rief ein älterer Herr mit rotem Schal: "So spielt man Fußball, Jungs!" - woraufhin sein Sitznachbar trocken antwortete: "Ja, aber bitte nächstes Mal zehn Minuten früher."

Ein typisches Derby eben. Nur mit Happy End für die Rot-Schwarzen.

07.11.643990 21:30
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Jede Seite hat zwei Medaillen.
Mario Basler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager