Anpfiff
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Argyll dreht das Spiel - Pfullingen ringt Kassel 2:1 nieder

An einem frostigen Mittwochabend in der Regionalliga C erlebten 4517 Zuschauer im Pfullinger Stadion einen dieser Abende, an denen Fußballromantik und Nervenstärke in einem 90-minütigen Kammerspiel verschmelzen. Am Ende jubelte der VfL Pfullingen über einen 2:1-Sieg gegen Hessen Kassel - ein Ergebnis, das nach einer zähen ersten Hälfte so nicht zu erwarten war.

Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings auf der falschen Seite aus Sicht der Gastgeber. Schon in der 18. Minute brachte Ralph Stein die Nordhessen in Führung. Der 18-Jährige, offenbar ohne Furcht vor großen Bühnen, verwertete eine butterweiche Flanke von Andres Fortunio und ließ Pfullingens Keeper Antonio Eusebio keine Chance. "Ich hab den Ball einfach gespürt", grinste Stein später, als hätte er gerade einen Sonntagskick im Park gewonnen.

Danach schien Hessen Kassel das Geschehen im Griff zu haben. Mit mehr Ballbesitz (55 Prozent) und einem sicheren Passspiel kontrollierten die Gäste das Mittelfeld. Trainer Alex Mehl nickte zufrieden an der Seitenlinie, während Pfullingens Coach Günter Thiede mit verschränkten Armen an der Coachingzone nagte. "Wir haben gespielt, als hätten wir Angst vorm eigenen Schatten", murrte er später.

Pfullingen kam erst nach der Pause so richtig in Fahrt. Vielleicht hatte Thiede in der Kabine die richtigen Worte gefunden, vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass seine Mannschaft endlich anfing, einfach Fußball zu spielen. In der 61. Minute belohnte sich der VfL - und wie! Der 19-jährige Alfie Argyll, der zuvor vor allem durch seine unermüdlichen Sprints aufgefallen war, setzte sich auf links durch und vollendete nach Vorlage von Alexander Schreiber zum 1:1. Der Jubel war so laut, dass man ihn wohl bis nach Reutlingen gehört hat.

Während Kassel kurz die Ordnung verlor, roch Pfullingen Blut. Argyll, plötzlich im Rausch, schnürte in der 80. Minute sogar den Doppelpack. Diesmal kam der entscheidende Pass von Wilhelm Klaus, der mit einem sehenswerten Außenrist durch die Schnittstelle spielte. Argyll nahm den Ball mit der Brust, schaute kurz - und versenkte eiskalt. "Ich wollte eigentlich flanken", meinte er später mit einem Augenzwinkern, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich nichts."

Die Schlussphase war dann ein einziger Nervenknoten. Kassel warf alles nach vorn, erspielte sich noch einige Chancen - insgesamt elf Torschüsse, genauso viele wie die Gastgeber -, aber Eusebio im Pfullinger Tor wuchs über sich hinaus. Ein besonders sehenswerter Reflex in der 86. Minute gegen Lennard Metzger ließ die Fans von der Tribüne aufspringen. "Der Ball war eigentlich schon drin", staunte selbst Gästecoach Mehl, "aber der Junge hat wohl Spiderman-DNA."

Einziger Wermutstropfen: In der 89. Minute sah Pfullingens Rechtsverteidiger Marcel Caron Gelb nach einem etwas rustikalen Einsteigen. "Ich hab nur den Ball gespielt", verteidigte er sich lachend - was allerdings weder Schiedsrichterin noch Gegner überzeugte.

Taktisch blieb Pfullingen seiner offensiven Linie treu, auch wenn sie in der ersten Hälfte eher wie ein offenes Scheunentor wirkte. Kassel dagegen spielte diszipliniert, aber fast schon zu brav. Kein Pressing, kein Risiko - und am Ende zu wenig Mut. "Wir wollten kontrollieren, nicht verlieren", sagte Trainer Mehl. "Das ist uns immerhin zu 60 Minuten gelungen."

Nach Abpfiff feierten die Pfullinger Spieler ausgelassen mit ihren Fans. Trainer Thiede wirkte erleichtert, aber auch ein wenig stolz: "Die Jungs haben Moral gezeigt. Und Alfie… na ja, der wird heute wohl kein Auge zubekommen."

So bleibt Pfullingen dank jugendlichem Übermut und einer gehörigen Portion Kampfgeist auf der Siegerstraße, während Kassel einmal mehr an sich selbst scheitert. Ein bisschen tragisch, ein bisschen typisch - und ganz sicher ein Abend, den der 19-jährige Argyll nicht so schnell vergessen wird.

Oder, wie ein älterer Herr auf der Tribüne beim Verlassen des Stadions murmelte: "So spielt man sich in die Herzen. Und wahrscheinlich auch morgen in die Zeitung."

18.06.643987 15:14
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Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit.
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