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47585 Zuschauer erlebten im Stadion von Maracay einen jener Abende, an denen das Runde einfach nicht anders kann, als ins Eckige zu fliegen. Aragua FC besiegte Penta Portugal mit 4:2 (1:1) - und das mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit, taktischem Wahnsinn und einem Stürmer, der an diesem Abend offenbar den Turbo gefunden hatte: Silvestre Alcantara, 20 Jahre jung, traf doppelt und grinste danach verschmitzt: "Ich habe einfach mal geschossen, weil der Ball so schön geguckt hat." Dabei begann alles gar nicht so spektakulär. Penta Portugal, leicht favorisiert und mit etwas mehr Ballbesitz (gut 52 Prozent), kam früh zu Chancen. Schon in der zweiten Minute prüfte Laurent Gariepy den Aragua-Keeper Silvestre Herrero - der Name verpflichtet offenbar zum Fliegen, und so tat er es auch: mit den Fingerspitzen über die Latte. "Da dachte ich, das wird heute ein langer Abend", gab Trainerin Claire Werk später zu. Doch Aragua hielt dagegen. Nach einer Viertelstunde schoss der 18-jährige Jose Maria Gontan gleich zweimal aufs Tor, als wolle er seine Geburtsurkunde widerlegen. Der Durchbruch kam in der 38. Minute: Mateo Alvaro machte sich auf links auf die Reise, spielte Doppelpass mit Samuel Barrymore - und vollendete eiskalt zum 1:0. Der Jubel war jugendlich, fast kindlich: Alvaro rannte zur Eckfahne und rief "Das war für meine Mathelehrerin!" - ob sie’s gehört hat, bleibt unklar. Aber Fußball wäre nicht Fußball, wenn die Freude nicht kurz währte. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte glich Penta Portugal aus. Pedro Gama nutzte eine Unaufmerksamkeit in der Defensive und schob nach Vorarbeit von Franck Bode zum 1:1 ein. "Wir waren geistig schon beim Pausentee", knurrte Kapitän Kian Hiliard, der sich kurz darauf (59.) auch noch Gelb abholte - vermutlich aus Frust über sich selbst. Im zweiten Durchgang legte Aragua dann einen Gang zu - oder zwei. Coach Werk hatte offenbar in der Kabine nicht nur die Taktik (nun mit Flügelspiel und aggressivem Pressing) umgestellt, sondern auch das Selbstvertrauen ihrer jungen Wilden. Nach einer Stunde kam Alcantara wieder in Schussposition, diesmal nach Pass von Radu Cocis - 2:1. Nur 60 Sekunden später das 3:1: Javi Yague, ebenfalls 18, traf nach seiner Einwechslung mit dem ersten Ballkontakt. Trainerin Werk schüttelte lachend den Kopf: "Ich wollte ihm eigentlich sagen, er soll erstmal ruhig bleiben. Zum Glück hat er mich nicht gehört." Doch Penta Portugal dachte nicht ans Aufgeben. In der 74. Minute verkürzte ausgerechnet der linke Verteidiger Arnau Urrutia nach Vorlage von Fabio Oliveira auf 3:2. Ein wunderschöner, satter Schuss aus der Distanz - der kurzzeitig auch die 47585 Zuschauer verstummen ließ. "Da war kurz Gänsehaut", gestand selbst der Heimkeeper Herrero. Aber es sollte der Abend von Aragua bleiben - und von Alcantara. In der 88. Minute krönte der Stürmer seinen Auftritt mit dem 4:2. Diesmal nach Vorlage von Rechtsverteidiger Paulo Morais, der sich die Linie runterkämpfte wie ein Marathonläufer auf Espresso. Alcantara nahm den Ball direkt, ins lange Eck, und verschwand anschließend fast im Jubelmeer. Penta Portugal versuchte noch einmal alles, kam sogar in der Nachspielzeit durch Diego Claverias zum Abschluss, doch Herrero war wieder zur Stelle. "Wir haben gut gespielt, aber Aragua war heute einfach… wild", seufzte Gästecoach Robin Ritter. "Und gegen Wildheit hilft kein Lehrbuch." Die Statistik untermauert den Eindruck eines offenen Spiels: Beide Teams mit je neun Torschüssen, die Gäste mit leichtem Ballbesitzvorteil, aber Aragua mit der klar besseren Chancenverwertung. Drei Gelbe Karten - zwei für Penta (Pederson, Gutierrez), eine für Aragua - rundeten eine Partie ab, die durchaus hitzig, aber nie unfair war. Nach dem Schlusspfiff klatschten die Fans im Stehen, während Claire Werk ihre Spieler abklatschte wie eine stolze Lehrerin nach der Abschlussprüfung. "Wir haben gezeigt, dass Alter keine Ausrede ist", sagte sie. "Und dass man mit Mut manchmal mehr gewinnt als mit Erfahrung." Vielleicht war es genau das, was diesen Abend so besonders machte: Aragua FC, jung, ungestüm, frech - und mit einem Silvestre Alcantara, der jetzt schon aussieht wie einer, der bald größere Bühnen betritt. Und irgendwo in Maracay wird vielleicht eine Mathelehrerin lächeln. 06.06.643987 22:37 |
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