Diarios de Futbol
+++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++

Aragua FC fliegt über die Flügel - Les Milionaros verzweifeln am eigenen Mut

36.000 Zuschauer im Estadio Azul hatten sich auf einen heißen südamerikanischen Fußballabend gefreut. Sie bekamen Hitze, Leidenschaft und reichlich Ballbesitz - aber kein Tor der Heimmannschaft. Stattdessen jubelte Aragua FC, angeführt von einem glänzend aufgelegten Florian Sonntag, über ein abgebrühtes 2:0 bei Les Milionaros.

Von Beginn an zeigte sich, dass Trainerin Claire Werk ihr Team perfekt auf die defensive Ausrichtung der Hausherren eingestellt hatte. Während Sandro Nemko seine Milionaros tief gestaffelt und auf Konter lauernd aufs Feld schickte, ließ Werk ihre Männer "über die Flügel wirbeln", wie sie später schmunzelnd erklärte. Und schon in der 7. Minute war der Plan aufgegangen: Adriano Vico flankte butterweich - Sonntag stand goldrichtig und versenkte den Ball humorlos zum 0:1. "Ich hätte den Ball fast mit den Haaren getroffen", lachte der Torschütze später.

Die Milionaros reagierten durchaus, aber eher mit Nervosität als mit Zielstrebigkeit. Sergi Antunes prüfte Araguas Keeper Johann Cartier gleich mehrfach - in der 6., 11., 19. und 36. Minute - doch der Torwart aus Caracas hatte einen dieser Abende, an denen selbst Mücken an ihm abprallen würden. "Ich hab heute einfach jeden Ball gesehen - sogar die, die gar nicht kamen", grinste Cartier nach dem Spiel.

Statistisch gesehen war die Partie ausgeglichen: Beide Teams kamen auf 15 Torschüsse, die Milionaros hatten mit 54 Prozent sogar leicht mehr Ballbesitz. Doch während Aragua FC seine Chancen nutzte, erstickte bei den Hausherren jeder Angriff im eigenen Zögern. Manchmal sah es so aus, als wollten sie den Ball hypnotisieren, statt draufzuschießen.

Kurz nach Wiederanpfiff kam dann der zweite Stich ins Herz der Gastgeber: In der 47. Minute passte Samuel Barrymore klug in die Schnittstelle, erneut stand Sonntag parat und schob eiskalt zum 0:2 ein. Die 2.000 mitgereisten Fans aus Venezuela tanzten auf den Rängen, während Nemko an der Seitenlinie nervös am Reißverschluss seiner Jacke kaute. "Wir haben den Moment verschlafen", räumte der Coach später ein. "Und Sonntag war eben Sonntag - er kommt immer wieder."

Die Milionaros warfen nun alles nach vorne, was sie hatten - und das war nicht wenig: Salvador de los Reyes versuchte es aus der Distanz (48.), Sebastien Lockhart drosch in der 63. Minute knapp vorbei, und Antunes setzte in der 87. Minute noch einen Kopfball neben den Pfosten. Es blieb beim "fast". Im Block hinter dem Tor fragte ein Fan resigniert: "Hat der Ball eigentlich was gegen uns?"

Aragua FC musste sich derweil in Unterzahl durch die Schlussphase kämpfen. Innenverteidiger Francisco Dominguez sah in der 80. Minute Gelb-Rot - etwas übereifrig nach einem taktischen Foul an Antunes. "Ich wollte ihn nur kurz kennenlernen", scherzte der Übeltäter nach Spielende. Trainerin Werk nahm’s sportlich: "Ich hab ihm gesagt, beim nächsten Mal soll er wenigstens den Ball treffen."

Doch selbst mit einem Mann weniger brachte Aragua den Sieg über die Zeit. Claire Werk dirigierte ihre Mannschaft lautstark von der Linie, während Nemko noch einmal Avraham Friedmann und den jungen Caio Vazques brachte - ohne Fortune. In der 91. Minute setzte Vazques den letzten Schuss des Abends knapp über die Latte - sinnbildlich für einen Abend voller verpasster Gelegenheiten.

"Wir haben uns an der eigenen Vorsicht verbrannt", sagte Nemko hinterher und klopfte auf die Statistiktafel. 54 Prozent Ballbesitz, 15 Schüsse, null Tore. "Manchmal ist Fußball eben kein Matheunterricht."

Auf der anderen Seite feierte Aragua FC ausgelassen. Doppeltorschütze Sonntag posierte mit seinem Trikot wie ein Popstar, und Kapitän Barrymore grinste: "Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit weniger Ballbesitz mehr Spaß haben kann."

Ein verdienter Sieg für die Gäste also, die mit nun reichlich Selbstvertrauen auf das letzte Gruppenspiel der Copa Libertadores blicken dürfen. Les Milionaros dagegen müssen sich fragen, wie man mit so viel Ball und so wenig Effektivität weiterkommen will. Vielleicht hilft Trainer Nemko ja ein Sprichwort aus der Kabine: "Ballbesitz schießt keine Tore - Sonntag schon."

Und so endete ein Abend, an dem die einen Fußball spielten und die anderen ihn erklärten. Das Publikum verabschiedete sich mit höflichem Applaus - und einem kollektiven Seufzer. Vielleicht, ganz vielleicht, wird aus den Milionaros ja irgendwann noch ein Team, das nicht nur schön anläuft, sondern auch trifft. Bis dahin bleibt ihnen nur eins: das nächste Sonntagsspiel.

30.06.643987 02:08
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Man wusste bei mir immer, wo ich dran war.
Günter Netzer über seine rhetorischen Fähigkeiten
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager