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Es gibt Spiele, bei denen man sich fragt, ob der Gegner überhaupt wusste, dass das Turnier schon begonnen hatte. Aragua FC jedenfalls wusste es sehr genau. Mit einem furiosen 5:1 (2:0) gegen Alacranes Durango machte das Team von Trainerin Claire Werk klar, dass in dieser Copa Libertadores nicht mit halben Sachen zu rechnen ist. 79.500 Zuschauer im Stadion erlebten eine Vorstellung, die irgendwo zwischen Samba und Presslufthammer pendelte. Schon in den ersten Minuten deutete sich an: Aragua hatte Lust. Viel Lust. Die Flügelspieler rannten, als wäre das Spielfeld ein Laufsteg und sie müssten die neue Kollektion "Angriffslust" präsentieren. Nach einer knappen halben Stunde war es dann soweit: Egil Ali, der 23-jährige Mittelstürmer mit der Körpersprache eines Torero, traf nach Vorarbeit von Felipe Gomez zum 1:0. "Felipe hat mir den Ball serviert wie ein Kellner mit Stern", grinste Ali später. Durango wirkte konsterniert. Ihr Trainer Manni Kaltz, sonst ein Mann der launigen Anekdoten, stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen und murmelte etwas, das nach "Das war so nicht im Plan" klang. Seine Elf, anfangs auf Konter eingestellt, fand kaum Räume, weil Aragua mit aggressivem Pressing und 25 Torschüssen beinahe Dauerfeuer veranstaltete. Kurz vor der Pause folgte der nächste Schlag: Florian Sonntag, der Name verpflichtet, aber er spielt trotzdem lieber am Samstagabend, verwandelte nach feinem Zuspiel von Ivan Carracedo zum 2:0 (42.). Sonntag drehte ab, breit grinste er in Richtung Tribüne. "Ich wusste, dass er kommt. Der Ball, nicht der Sonntag", witzelte Carracedo nach dem Spiel. In der Kabine muss Claire Werk nicht viel gesagt haben. Ihre Mannschaft kam heraus, als hätte sie Espresso intravenös bekommen. Nur neun Minuten nach Wiederanpfiff schlug der 21-jährige Linksverteidiger Rafael Carvalho zu - und wie! Nach Vorarbeit des Routiniers Carlos Meira drosch er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. 3:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Carvalho später schmunzelnd zu. Durango, die in der zweiten Halbzeit offensiver zu Werke gingen, fand immerhin einen kleinen Trost: Antonio Bosingwa, der bullige Mittelstürmer, erzielte nach Vorarbeit von Raul Futre in der 63. Minute das 3:1. Da keimte kurz Hoffnung auf - etwa fünf Minuten lang. Dann rollte Aragua weiter wie eine tropische Sturmfront. In der 85. Minute durfte sich Damian Santos, frisch eingewechselt, in die Torschützenliste eintragen. Sein Treffer nach Pass von Innenverteidiger Kian Hiliard war so elegant, dass man fast Mitleid mit Durangos Keeper Vincent Antolin bekam. Und als die Zuschauer schon begannen, den Verkehrsstau vor dem Stadion zu fürchten, setzte Florian Sonntag in der Nachspielzeit (93.) den Schlusspunkt. Vorlage: Egil Ali. Ergebnis: 5:1. Gefühl: Euphorie pur. "Ich habe gesagt, wir spielen offensiv - und die Jungs haben das wohl etwas zu wörtlich genommen", lachte Trainerin Werk auf der Pressekonferenz. "Aber lieber so als andersherum." Tatsächlich stimmte fast alles: 50 Prozent Ballbesitz, aber deutlich mehr Zielstrebigkeit, 25 Schüsse aufs Tor gegenüber mageren sechs von Durango, und eine Zweikampfquote, die an Rasenmäher erinnert: 56 Prozent gewonnen. Manni Kaltz hingegen suchte nach Erklärungen. "Wir wollten kompakt stehen, aber irgendwann war das wie gegen den Windmühlenflügel", seufzte er. "Manchmal ist Fußball eben ein Demütigungskurs." In den letzten Minuten lief Aragua auf wie eine Welle, die nicht mehr brechen wollte. Selbst Innenverteidiger Julian Puerta versuchte es noch mit einem Distanzschuss. Als der Schiedsrichter abpfiff, klatschte Claire Werk erleichtert in die Hände, während ihre Spieler lächelnd über den Platz schlenderten. Im Stadion blieb ein Gefühl von Dankbarkeit - und ein leichtes Pfeifen in den Ohren vom ständigen Jubel. Für Aragua war es ein Statement, für Durango eine Lehrstunde. Oder, wie Egil Ali es beim Hinausgehen formulierte: "Manchmal ist Fußball einfach schön, wenn man ihn spielen darf." Vielleicht nicht poetisch, aber an diesem Abend vollkommen wahr. 23.07.643987 03:09 |
Sprücheklopfer
Bei manchen Spielern fehlt etwas, deshalb spielen sie auch bei mir und nicht in Barcelona.
Aleksandar Ristic