Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Aragua FC dreht das Spiel - Später Jubel, frühes Zittern

Ein warmer Januarabend in Maracay, 48.942 Zuschauer im Stadion - und am Ende ein kollektives Aufatmen bei Aragua FC: Mit 2:1 (0:1) drehte die Elf von Trainerin Claire Werk am 15. Spieltag der 1. Liga Venezuela ein Spiel, das zur Pause noch nach einem Fehlstart roch. Guaro Larense, diszipliniert, effektiv und im ersten Durchgang reifer, ging früh in Führung. Doch wer die Gastgeber schon abgeschrieben hatte, kennt den störrischen Charakter dieses Teams schlecht - und die zweite Halbzeit wurde zu einer kleinen Lehrstunde in Sachen Comeback-Mentalität.

In der 17. Minute war die Welt für Guaro Larense noch in Ordnung: Rechtsverteidiger Uwe Charpentier sprintete die Linie entlang, flankte flach in den Strafraum, und Goran Dukic vollendete eiskalt. Ein Abschluss wie aus dem Lehrbuch - mit der Innenseite, halbhoch, unhaltbar. Aragua-Keeper Silvestre Herrero streckte sich vergeblich, und Sekunden später brüllte Dukic in den Nachthimmel, als hätte er gerade das Tor des Jahres erzielt. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste er später, "aber Charpentier hat einfach weitergemacht. So sind wir eben."

Danach drückte Aragua, aber der Ball wollte nicht rein. Jason Adam prüfte Guaros Torwart Villar gleich zweimal früh, Silvestre Alcantara rauschte knapp vorbei, und Ivan Carracedo zirkelte in Minute 16 einen Schuss an die Latte - das Publikum seufzte kollektiv. Und als kurz vor der Pause ausgerechnet Torwart Herrero verletzt vom Platz musste und Johann Cartier zwischen die Pfosten kam, schien das Pech endgültig komplett.

"Ich habe Johann nur gesagt: Mach die Handschuhe nicht so sauber, du wirst sie brauchen", erzählte Trainerin Claire Werk später mit einem Augenzwinkern. Sie sollte recht behalten.

Nach der Halbzeit kam ein anderes Aragua aus der Kabine: offensiver, aggressiver, pressend, fast trotzig. Werk hatte ihre Elf auf Flügelangriffe umgestellt - und plötzlich flatterte der Ball im Strafraum der Gäste wie ein überforderter Kolibri. In der 53. Minute war es dann soweit: Rafael Carvalho, der junge Linksverteidiger, schob sich nach vorne, flankte präzise, und Jason Adam traf per Direktabnahme zum 1:1. Das Stadion explodierte. "Ich habe nur gedacht: Bitte, diesmal nicht Latte!", lachte Adam nach dem Spiel.

Sechs Minuten später war der Abend endgültig rot-gelb gefärbt. Radu Cocis trieb den Ball über rechts, legte quer, und Egil Ali schob trocken zum 2:1 ein. Ein Tor, so unspektakulär wie entscheidend. Guaro Larense wirkte kurz irritiert - als sei ihnen jemand der Stecker gezogen worden. Trainer Jan Ost gestikulierte wild an der Seitenlinie, aber seine Spieler schienen die Balance zwischen Angriff und Ordnung verloren zu haben.

"Wir hatten das Spiel im Griff", haderte Ost nach dem Abpfiff. "Doch wir haben aufgehört, mutig zu sein. Aragua hat das gerochen - und uns aufgefressen." Ganz unrecht hatte er nicht: 15 Torschüsse für Aragua, nur 5 für Larense, und das trotz weniger Ballbesitz (46 zu 54 Prozent). Die Hausherren spielten simpler, aber zielstrebiger.

Ab der 70. Minute wurde es hitzig. Christophe Belanger prüfte Villar aus der Distanz, Carracedo und Alcantara feuerten weiter munter, und selbst Rechtsverteidiger Paulo Morais wagte sich in der 87. Minute nach vorne. Seine Granate aus 25 Metern zwang Villar zu einer Flugeinlage, die eher nach Ballett als nach Torwarttechnik aussah.

Guaro Larense versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, doch Aragua stand kompakt - Cartier im Tor erwies sich als sicherer Rückhalt. Als Schiedsrichter Ruiz nach 94 Minuten abpfiff, fiel Claire Werk ihr Co-Trainer um den Hals. "Ich habe ihnen in der Pause gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stolz. Und dann kriegen sie plötzlich Lust auf Gewinnen", sagte sie lachend auf der Pressekonferenz.

Während die Fans noch sangen und das Flutlicht ein letztes Mal über den Rasen glitt, saß Egil Ali mit einem Eisbeutel auf dem Knie und grinste: "Ich hab’ nicht mal gemerkt, dass ich das Siegtor gemacht habe - ich wollte nur nicht, dass Cocis meckert, weil ich den Pass verpasst hab."

So endete ein Abend, der für Aragua FC mehr war als nur drei Punkte: ein Statement, dass Kampfgeist manchmal mehr zählt als Statistik. Und Guaro Larense? Die werden sich fragen, wie man ein Spiel verlieren kann, das man 45 Minuten lang fest in der Hand hatte.

Vielleicht sollten sie Claire Werk anrufen - die weiß offenbar, wie man Halbzeiten dreht.

30.06.643987 02:10
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Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002
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