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Ein kalter Januarabend, 20.30 Uhr in Bukarest. 20.000 Zuschauer haben sich im altehrwürdigen Feroviari-Stadion eingefunden, um zu sehen, wie ihre Mannschaft am 14. Spieltag der 1. Liga Rumäniens gegen ATU Arad antritt. Am Ende sahen sie allerdings vor allem eines: Humberto Gama. Der 22-jährige Rechtsaußen aus Arad spielte, als hätte er sich vorgenommen, die Bukarester Defensive persönlich auseinanderzunehmen. Zwei Tore, ein Assist, ein Dauergrinsen - und Feroviari ging mit 0:3 unter. Dabei fing alles gar nicht so schlecht an. Die Hausherren hatten mehr Ballbesitz (53,8 %) und suchten ihr Glück im gepflegten Kurzpassspiel. Trainer der Bukarester - der Name war an diesem Abend wohl besser nicht auf der Anzeigetafel - hatte sein Team ausgewogen eingestellt, ohne Pressing, ohne Risiko. "Wir wollten die Kontrolle", erklärte er später mit einem gequälten Lächeln. Kontrolle hatten sie, Tore nicht. Zwölf Abschlüsse, aber keiner fand den Weg ins Netz. Arad hingegen spielte, als hätten sie den Ball nur als notwendiges Übel betrachtet. Lange Bälle, aggressive Zweikämpfe, Flanken aus allen Himmelsrichtungen - und vorne warteten drei hungrige Angreifer. Mister Zvenson, der charismatische Coach der Gäste, fasste es nach dem Spiel in seiner typisch trockenen Art zusammen: "Wir haben vielleicht nicht den Ball gehabt, aber dafür wussten wir, wo das Tor steht." In der 35. Minute fiel das erste Tor - natürlich durch Gama. Nach einem schnellen Konter über die linke Seite legte der Grieche Evgenios Manos quer, und Gama drosch den Ball humorlos ins rechte Eck. 1:0 für Arad, und im Stadion ging ein spürbares Raunen durch die Reihen. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne brummte: "Das wird heute wieder so ein Abend, wo du lieber den Zug nach Hause nimmst, als den Ball ins Tor zu sehen." Er sollte Recht behalten. Feroviari versuchte nach der Pause, mit mehr Wucht zu kommen. Joao Travassos prüfte den Keeper Yannik Hausmann in der 51. Minute, aber der blieb eiskalt. "Ich hab heute irgendwie das Gefühl, ich könnte auch ohne Handschuhe halten", scherzte der Torwart später, kurz bevor er in der 81. Minute ausgewechselt wurde - Zvenson gönnte seinem 17-jährigen Ersatzkeeper Jorge Viqueira ein paar Minuten Erstliga-Luft. Dann kam die 78. Minute, und die Geschichte wurde endgültig bitter für die Gastgeber. Nach einem Freistoß von Olaf Vetter stieg Innenverteidiger Avi Peretz am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar zum 2:0 ein. Ein Innenverteidiger! Wenn selbst die Abwehrspieler treffen, weiß man, dass der Abend entschieden ist. Wenig später gab’s noch eine gelbe Karte für Thomas O’Farrell - wohl mehr aus Langeweile, denn wirklich hart war das Foul nicht. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch da bin", grinste er nach der Partie. In der Nachspielzeit setzte dann wieder Humberto Gama den Schlusspunkt. Ein fast identischer Spielzug wie beim ersten Tor: Pass von Manos, Gama startet durch, diesmal noch lässiger, noch präziser. 3:0 in der 91. Minute. Die Fans von Arad auf der Gästetribüne sangen längst, die Bukarester hingegen schauten betreten auf den Rasen. Statistisch gesehen war das Spiel fast ein Paradoxon: mehr Ballbesitz, mehr Pässe, aber weniger Effekt. Feroviari hatte 12 Torschüsse - die meisten davon harmlose Versuche von Benjamin Locklear und Ilie Coe. Arad dagegen feuerte 17 Mal aufs Tor, und jeder Schuss schien gefährlich. Nach dem Abpfiff stellte sich Mister Zvenson mit einem verschmitzten Lächeln vor die Mikrofone: "Wir haben das gespielt, was wir trainiert haben: lange Bälle, viel Mut, keine Angst. Wenn der Gegner dich spielen lässt, musst du ihn eben laufen lassen." Sein Gegenüber klang deutlich resignierter: "Wir haben den Ball gehabt, aber nicht das Herz. Vielleicht sollten wir das nächste Mal auch einfach hoch und weit probieren." Humberto Gama, der Mann des Abends, fasste das Geschehen mit der Nonchalance eines jungen Stars zusammen: "Ich wollte einfach Spaß haben. Tore sind dann halt passiert." Ein Satz, der Feroviari Bukarest vermutlich noch ein paar Tage verfolgen wird. Denn Spaß hatten an diesem Abend nur die Gäste aus Arad - und die Statistikfreunde, die wissen: 0:3 klingt klar, aber manchmal erzählt das Ergebnis nur die halbe Geschichte. Zumindest, bis Gama wieder trifft. 18.06.643987 14:12 |
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