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ATU Arad hat am 17. Spieltag der 1. Liga Rumäniens ein Fußballfest gefeiert, das selbst eingefleischte Skeptiker zum Dauergrinsen zwang. Mit einem 7:0-Demontagewerk gegen Alb-Rosi Bukarest verwandelte das Team von Mister Zvenson den heimischen Rasen in eine Mischung aus Tanzfläche, Schießbude und Lehrstunde. 15.691 Zuschauer sahen ein Spiel, das schon nach wenigen Minuten deutlich machte: Heute gibt’s für Bukarest nichts außer Laufarbeit - und davon reichlich. Dabei begann es gar nicht so, als würde Arad ein Feuerwerk abbrennen. Bukarest hatte in der ersten Minute den ersten Schuss aufs Tor - Constantin Albu prüfte Keeper Lionel Bergantinos. Danach aber wurde es einseitig. Arad stürmte mit jugendlicher Unbekümmertheit und der Chuzpe einer Straßenfußballmannschaft. In der 13. Minute eröffnete der erst 18-jährige Florentin Iordanescu den Torreigen nach feinem Zuspiel des 17-jährigen Alexandru Hagi. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Iordanescu später, "und gehofft, dass Mister Zvenson mich morgen nicht wieder in die Jugend schickt." Nur zwölf Minuten später legte Julian Galindo nach - der Mittelstürmer aus Kolumbien spielte, als hätte er sich zum Ziel gesetzt, den Ball samt Netz mit nach Hause zu nehmen. Daniel Stancu flankte präzise, Galindo köpfte wuchtig: 2:0. Bukarest wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Team, das auf der Autobahn eine Panne hat und nicht weiß, wo der Wagenheber liegt. Kurz vor der Pause dann das 3:0 - Liam Carlsson, der quirlige Schwede auf der linken Seite, traf nach Stancus Vorlage. Die Zuschauer auf der Tribüne sangen, tanzten und zogen ihre Schals über den Kopf, während Mister Zvenson an der Seitenlinie stoisch auf seiner Wasserflasche kaute. "Ich hab ihnen gesagt, dass sie Spaß haben sollen", sagte er später mit einem Lächeln, "ich wusste nur nicht, dass sie gleich eine Party feiern." Die zweite Halbzeit? Eine Fortsetzung der Demütigung. Galindo schnürte in der 57. Minute seinen Doppelpack - Vorlage Iordanescu, derselbe junge Mann, der nun endgültig wie ein erfahrener Flügelspieler wirkte. Sechs Minuten später durfte sogar Innenverteidiger Nicolae Coras jubeln. Nach einem Eckball stieg er höher als alle anderen, wuchtete den Ball hinein und rannte mit ausgestreckten Armen zu den Fans. "Ich wusste gar nicht, dass ich so springen kann", lachte der 18-Jährige nach dem Spiel. Doch Arad hatte noch nicht genug. Galindo traf in der 70. Minute erneut - sein dritter Treffer, ein lupenreiner Hattrick, den er mit einem Kuss auf das Vereinswappen krönte. Und als Bukarest schon innerlich den Bus startete, schlug Carlsson in der 86. Minute nochmal zu. Vorlage? Natürlich wieder Florentin Iordanescu. 7:0. Statistisch gesehen war es fast ein Paradoxon: Bukarest hatte mit 57 Prozent mehr Ballbesitz, aber Arad die klaren 20 Torschüsse (Bukarest brachte es auf magere vier). Es war, als hätten die Gäste den Ball nur, um ihn irgendwann wieder zu verlieren. Trainer Zvenson kommentierte trocken: "Wir haben weniger den Ball, aber mehr damit gemacht. So einfach ist Fußball manchmal." Alb-Rosi-Coach, dessen Name in den Aufzeichnungen kurioserweise fehlte (und nach diesem Spiel wohl besser ungenannt bleibt), wirkte nach Abpfiff ratlos. "Wir wollten ruhig bleiben", murmelte er, "aber Arad war heute einfach in einer anderen Liga." Gelbe Karten flogen auch: Hagi, Radoi, Coras und Bratu sahen beim Gastgeber den Karton, Bukarests Marica immerhin auch. Doch das änderte nichts am Verlauf. Die jungen Wilden aus Arad spielten mit einer Aggressivität, die irgendwo zwischen "lebensfroh" und "leicht übermütig" lag - genau das, was Mister Zvenson liebt. "Ich sag’s euch", rief Galindo später in die Kameras, "wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald ein zweites Stadion für alle, die uns sehen wollen." Die Fans jubelten, die Sonne ging über Arad unter, und Bukarests Spieler sahen aus, als wären sie gerade aus einem besonders harten Fitnesskurs entlassen worden. Am Ende blieb ein Ergebnis, das in die Vereinschronik eingehen wird: 7:0 (3:0). Drei Tore Galindo, zwei Carlsson, eines von Iordanescu und sogar eines vom Teenager-Coras. Fußball kann grausam sein - oder, wenn man ATU Arad heißt, einfach wunderschön. Vielleicht sollte man in Bukarest den Videorekorder anwerfen und die Partie in Dauerschleife laufen lassen. Lehrfilm mit Untertitel: So spielt man nicht gegen Arad. 01.12.643990 03:03 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler