De Standaard
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Antwerpen ringt Londerzeel nieder - Van Eetvelts spätes Glückstor rettet den Pokalabend

Es war einer dieser Pokalabende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott vielleicht kurz auf Kaffee ist. 59.625 Zuschauer im Bosuil-Stadion sahen einen FC Antwerpen, der alles probierte, nur eben das Toreschießen vergaß - bis zur 112. Minute, als der 21-jährige Victor Van Eetvelt endlich den Bann brach und den haushoch überlegenen Favoriten mit einem 1:0 nach Verlängerung in die dritte Runde hievte.

Von Beginn an war klar, wer hier das Sagen haben wollte. Antwerpen spielte, Londerzeel lief hinterher - und zwar viel. Schon nach zwei Minuten prüfte der junge Kobe Daens den Gästetorhüter Michiel Donckers mit einem strammen Schuss. In der fünften Minute gleich noch einmal. Und weil’s so schön war, später in der 38., 68., 71. und 103. Minute wieder. Der 19-Jährige war so etwas wie der personifizierte Dauerregen auf das Tor von Londerzeel - nur ohne Donner. "Ich dachte irgendwann, der Ball will mich ärgern", lachte Daens nach dem Spiel.

Der Ballbesitz sprach Bände: 53,6 Prozent für Antwerpen, dazu 22 Schüsse aufs Tor - gegen ganze vier von Londerzeel. Doch Tore? Fehlanzeige. Der Pokal schreibt seine eigenen Geschichten, und diesmal schien er eine zähe Novelle zu liefern. Im Mittelfeld mühte sich Richard Fröhlich um Struktur, während auf den Flügeln Jose Ferreira (32) und Albin Abelson (30) ein ums andere Mal die Gästeabwehr beschäftigten, die sich wie eine schlecht gelaunte Mauer präsentierte: nicht schön, aber schwer zu durchbrechen.

Trainer Fabrillio Fabio stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen, die Stirn in Falten gelegt. "Ich hatte das Gefühl, wir könnten noch drei Stunden spielen und es würde 0:0 bleiben", grummelte er später. Und vielleicht hatte er recht - denn auch die zweite Halbzeit brachte kaum Erlösung. Ferreira verzog in der 47. Minute, Abelson scheiterte in der 52. und 79., während Londerzeel einmal gefährlich wurde: Ricardo Bischoff (54.) zwang Antwerpens Keeper Arthur Willimowski zu seiner einzigen echten Parade.

Dann kam die Verlängerung. Die Zuschauer tranken den dritten Kakao, die Spieler liefen auf dem Zahnfleisch, und die Trainer begannen, nervös an den Linienmarkierungen zu kauen. Fabio brachte frische Beine: Loic Baus und Jens Penne kamen in der 96. Minute - beide sollten später jubeln dürfen.

In der 112. Minute geschah das, worauf Antwerpen 111 Minuten gewartet hatte. Alexander Saprykin, bis dahin ein unermüdlicher Staubsauger auf der linken Seite, setzte sich durch, flankte scharf an den Strafraumrand, und dort stand Victor Van Eetvelt. Der 21-Jährige nahm Maß, zog mit dem linken Fuß ab - und plötzlich war alles ganz einfach. 1:0. Stadionexplosion. "Ich habe gar nicht gesehen, wie der Ball reinging", sagte Van Eetvelt danach und grinste, "ich hab nur die Jungs schreien hören. Da wusste ich: Das war’s."

Londerzeel versuchte danach, irgendwie zurückzukommen. Doch viel mehr als ein verzweifelter Schuss von Samuel Hanssens in der 96. Minute war nicht drin. Stattdessen beklagte man eine Verletzung von Gauthier Schoonvliet kurz vor Schluss - ein bitteres Ende für die Gäste, die tapfer kämpften, aber letztlich an ihren Grenzen scheiterten.

Auch die Statistik zeigte: Antwerpen war in fast allen Belangen überlegen - mehr Ballbesitz, doppelt so viele gewonnene Zweikämpfe (56 Prozent), und eine Angriffslust, die zwar oft frustrierte, aber am Ende belohnt wurde.

"Das war kein Galaabend, aber ein ehrlicher Pokalsieg", befand Trainer Fabio. "Manchmal ist Fußball eben Arbeit - heute war’s ein Acht-Stunden-Tag mit Überstunden." Sein Gegenüber, der Londerzeel-Coach - dessen Name der Stadionlautsprecher im Jubel verschluckte - nickte nur trocken: "Wenn man 119 Minuten verteidigt und dann so verliert, tut das weh. Aber wir haben’s versucht."

Der Pokalabend in Antwerpen wird wohl weniger wegen spielerischer Glanzlichter in Erinnerung bleiben, sondern wegen seiner zähen Dramatik: 22 Schüsse, ein Tor, ein erleichtertes Stadion. Und ein junger Held namens Van Eetvelt, der das Spiel mit einem einzigen Moment entschied.

Zum Abschluss fragte ein Reporter den Torschützen, ob er beim nächsten Mal früher treffen wolle. Van Eetvelt lachte: "Wenn’s nach mir geht, ja. Aber vielleicht wollte der Fußballgott einfach Spannung."

Und so endete ein langer Abend mit einem kurzen Ergebnis: 1:0 nach Verlängerung. Keine Glitzer-Show, keine Taktik-Revolution - nur ehrlicher Pokalfußball. Ganz so, wie man ihn liebt - oder hasst.

04.10.643990 04:23
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Fußball spielt sich zwischen den Ohren ab. Da war teilweise Brachland, das neu bepflanzt werden musste.
Rainer Bonhof
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