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Ein Tor, ein Seufzer, drei Punkte - und 27.740 Zuschauer, die sich fragten, ob das wirklich Premier-League-Fußball oder doch ein Geduldsspiel im Mittelfeld war. Die Manchester Blues gewannen am 34. Spieltag der 1. Liga England mit 1:0 gegen den Außenseiter Tiverton Town, und das dank eines einzigen lichten Moments von Jamie Anderson in der 62. Minute. Dabei hatte Trainer Daniel Kontsch vor dem Spiel noch betont, man wolle "früh Druck machen und das Publikum mitreißen". Nun, der Wille war da, aber die Umsetzung erinnerte eher an eine Kaffeefahrt als an ein Fußballfest. Die Blues kombinierten sich zwar mit 51,7 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen durch die Partie, aber fast alles blieb beim Versuch. Tiverton, vom jungen Coach Andi Lipa diszipliniert eingestellt, verteidigte mit Herz, Mut - und gelegentlich auch mit dem Ellbogen. Schon nach 60 Sekunden sah Linksverteidiger Thomas Lockwood Gelb, was den Rest des Spiels zu einer Art Dauerprüfung seiner Nerven machte. Die ersten Minuten gehörten Bradley Thuringer, dem 20-jährigen Wirbelwind auf der rechten Seite. Drei Schüsse in den ersten 16 Minuten - kein Treffer, aber immerhin muntere Beschäftigung für Tivertons Torhüter Miguel Tiago. "Ich dachte, irgendwann muss einer rein, aber der Ball wollte wohl lieber mit ihm spielen", grinste Thuringer später. Jamie Anderson, der spätere Matchwinner, war zu diesem Zeitpunkt schon Dauergast im Strafraum. In der 22. Minute schlenzte er knapp vorbei, in der 36. prüfte er Tiago erneut, und noch vor der Pause verzog er aus acht Metern - der Ball rauschte so knapp vorbei, dass man ihm fast applaudieren wollte. Tiverton kam nur sporadisch nach vorn; Salvatore Belsito hatte in der 17. Minute die einzige echte Chance der Gäste vor der Halbzeit. Nach dem Seitenwechsel wurde es etwas ruppiger. "Ich hab gesagt, die Jungs sollen mehr Körpersprache zeigen - nicht gleich Karate", kommentierte Lipa später mit einem verschmitzten Lächeln. Und tatsächlich: Seine Elf kämpfte, blockte, grätschte. Doch in der 62. Minute war das Glück aufgebraucht. Jacinto Domingos brach über links durch, legte flach zurück, und Anderson musste nur noch den Fuß hinhalten - 1:0. Jubel, Erlösung, und ein erleichterter Trainer Kontsch, der an der Seitenlinie kurz wirkte, als würde er innerlich einen Vertrag mit dem Fußballgott verlängern. "Jacinto hat den Ball perfekt gespielt", lobte Anderson hinterher. "Ich musste einfach nur da sein. Und diesmal war ich’s." Ein Satz, der so simpel klingt, dass er fast schon Philosophie ist. Danach verwalteten die Blues das Spiel - und das mit einer Mischung aus Nervosität und Routine. Xavier Nani hatte in der 49. Minute eine Kopfballchance, Yannik Gancarczyk prüfte Tiago zweimal (56., 64.), doch der zweite Treffer blieb aus. Tiverton, angetrieben vom unermüdlichen Jay Hannigan, versuchte in der Schlussphase noch einmal alles. Hannigan (82.) und der junge Louis Thuringer (88.) hatten Gelegenheiten, die das Stadion kurz verstummen ließen. Torwart Knud Gruber, der bis dahin eher Zuschauer gewesen war, musste zweimal beherzt zupacken. "Wir haben das nicht clever genug zu Ende gespielt", ärgerte sich Kontsch nach dem Abpfiff, "aber wir haben gewonnen, und manchmal ist das alles, was zählt." Sein Gegenüber Lipa nahm die Niederlage sportlich: "Unsere Jungs sind jung, mutig und lernen schnell. Heute haben sie gegen ein Topteam nur knapp verloren - das ist fast ein Sieg." Dass Tiverton mit nur vier Schüssen aufs Tor und knapp 48 Prozent Ballbesitz trotzdem bis zur letzten Minute gefährlich blieb, spricht für ihre Moral. Und dafür, dass Manchester trotz seiner Stars noch ein bisschen an der Effizienz feilen muss. Die Fans jedenfalls verabschiedeten die Mannschaft mit höflichem Applaus - und einem kollektiven Aufatmen. Beim Hinausgehen hörte man einen älteren Zuschauer sagen: "Wenn die Blues so weitermachen, krieg ich bald eine Herzfrequenzuhr geschenkt." Sein Kumpel nickte trocken: "Oder Schlaftabletten - je nachdem, wie du das Spiel gesehen hast." So endete also ein Abend, der keine Glanzlichter, aber immerhin ein Tor brachte. Manchester Blues bleibt im Titelrennen, Tiverton Town nimmt erhobenen Kopf und eine ordentliche Portion Erfahrung mit auf die Heimreise. Und Jamie Anderson? Der kann sich für diesen Abend als Held fühlen - zumindest bis zum nächsten Anpfiff, wenn die Blues wieder versuchen, das Publikum mitzureißen. Hoffentlich diesmal etwas früher. 25.04.643990 06:12 |
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