De Standaard
+++ Sportzeitung für Belgien +++

Anderlecht dreht das Spiel - Späte Leidenschaft statt frühem Glanz

Ein frostiger Abend in Brüssel, aber die 27.314 Zuschauer im Lotto Park hatten keinen Grund, sich über kalte Füße zu beklagen. PRS Anderlecht gewann am 14. Spieltag der 1. Liga Belgien mit 2:1 gegen Club Lüttich - ein Ergebnis, das eher nach Arbeitssieg als nach Fußballpoesie klang, aber genau das war es: ein schweißtreibendes Stück Taktik, Leidenschaft und, ja, ein bisschen Glück.

Dabei begann der Abend alles andere als verheißungsvoll für die Hausherren. Lüttich, von Trainer Dan Schmitz auf Offensive eingestellt, legte los wie die Feuerwehr. Schon in der 17. Minute drosch Rechtsaußen Thibault Van Aken den Ball nach einem langen Pass von Innenverteidiger Ivo Bednar kompromisslos in die Maschen - 0:1 aus Sicht Anderlechts. "Wir wollten sie früh überraschen, und das hat funktioniert", grinste Van Aken später. "Ich glaube, ich hab den Ball so getroffen, dass er selbst Angst bekommen hat."

Trainer David Neumann an der Seitenlinie raufte sich da schon die Haare. Seine Elf, taktisch wie immer ausgewogen aufgestellt, wirkte in der ersten Halbzeit zahm, fast zu höflich. 52 Prozent Ballbesitz hin oder her - gefährlich wurde es selten. Die Flügelspieler Dahl und Forssell mühten sich, aber Lüttichs Abwehr - allen voran der erfahrene Nelio Teixeira (der sich nach einer frühen Gelben Karte lieber etwas zurückhielt) - hielt dicht.

In der Pause, so berichten Insider, soll Neumann in der Kabine ungewöhnlich laut geworden sein. "Ich habe ihnen gesagt, dass wir kein Ballett tanzen. Wenn’s weh tut, tut’s weh - aber bitte Richtung Tor!", schmunzelte er später auf der Pressekonferenz. Offenbar hatte die Ansprache Wirkung: Nach dem Seitenwechsel änderte sich der Ton auf dem Platz schlagartig.

63. Minute: Ein blitzsauberer Angriff über links. Manuel Costinha tankt sich durch, passt in den Rückraum, wo David Zaera anrauscht und den Ball humorlos unter die Latte nagelt - 1:1. Das Stadion bebte, und selbst der sonst kühle Costinha klatschte frenetisch in Richtung Fankurve. "Das war so ein Moment, wo du weißt: Jetzt kippt das Spiel", sagte er hinterher.

Und tatsächlich - kaum sieben Minuten später war es wieder so weit. Diesmal kam die Flanke von Axel Schelfaut, der mit 21 Jahren zum ersten Mal über die volle Distanz durchspielte. Seine butterweiche Hereingabe fand Frans Dahl, der sich am Fünfmeterraum durchsetzte und per Kopf zum 2:1 einnickte. "Ich hab einfach gehofft, dass Axel mir vertraut", sagte Dahl, während er sich noch das Stirnband zurechtrückte. "Er hat’s getan - und der Ball war perfekt."

Lüttich, das bis dahin 15 Torschüsse abgegeben hatte (und damit sogar einen mehr als Anderlecht), versuchte in den Schlussminuten alles. Van Aken prüfte Keeper Ward Van Strydonck gleich mehrfach, Esteban Cunha drosch in der 80. Minute nur Zentimeter übers Tor. Aber es half nichts: Die Defensive der Gastgeber hielt stand - auch, weil Innenverteidiger Rafael Godino plötzlich spielte, als hätte er heimlich zwei Herzschrittmacher eingebaut.

"Wir haben zu lange geglaubt, dass ein 1:0 reicht", seufzte Gästecoach Schmitz nach dem Spiel. "Anderlecht hat das gedreht, weil sie einfach galliger waren. Und weil wir uns irgendwann mehr über den Schiedsrichter als über den Ball aufgeregt haben."

Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 52 zu 48 Prozent Ballbesitz, 14:15 Torschüsse - aber in den entscheidenden Momenten war Anderlecht präziser, ruhiger, entschlossener. Die Fans feierten ihr Team mit Sprechchören, während Neumann mit einem schelmischen Grinsen in die Kabine verschwand.

"Es war nicht schön, aber schön war’s trotzdem", sagte er noch, bevor er den Presseraum verließ. Und irgendwo zwischen Dampf, Bier und winterlicher Euphorie hallte dieser Satz durch den Abend wie die Quintessenz eines typischen Anderlecht-Spiels: Erst zittern, dann jubeln, dann lachen.

Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal weniger ein Frage von Taktik ist - und mehr von Charakter. Und an diesem 14. Spieltag hatte Anderlecht einfach ein bisschen mehr davon.

18.06.643987 18:17
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