Sportwoche
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Altach siegt spektakulär 2:1 - Bleiburg stolpert über eigene Nerven

Es war ein kalter Januarabend im Schnabelholz, 27.676 Zuschauer hatten sich eingepackt wie für eine Polarexpedition, als der FC Altach und der FC Bleiburg den 13. Spieltag der 1. Liga Österreich eröffneten. Und sie bekamen, was man an einem Dienstagabend um halb neun erwartet: Drama, Tore und ein bisschen Chaos - das Ganze mit einer Prise Ironie des Fußballgottes.

Von Beginn an war klar: Trainer Jose Raul Capablanca hatte seine Altacher auf Angriff eingestellt. "Offensiv, aber mit Vernunft", hatte er vor dem Anpfiff gesagt - und grinste dabei wie jemand, der weiß, dass seine Stürmer ohnehin tun, was sie wollen. Und so kam’s: Bereits nach 16 Minuten setzte sich Jannik Johansson rechts durch, legte quer, und Aleksandar Drulic schob eiskalt ein. 1:0, Altach jubelt, Bleiburg schaut sich verdutzt an.

Nur acht Minuten später dann das nächste Highlight: Georges Carriere tänzelt an der linken Außenlinie, flankt butterweich - und Ari Peltonen, der finnische Flügel mit dem Blick für das Schöne, köpft zum 2:0 ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später lachend zu. "Aber wenn’s passt, dann passt’s."

Bleiburg, leicht geschockt, reagierte immerhin mit jugendlicher Unbekümmertheit. Der 18-jährige Joel Schneider, gerade einmal alt genug für den Führerschein, nahm sich in der 38. Minute ein Herz und hämmerte den Ball nach Vorlage von Benjamin Endres unter die Latte. 2:1 - und plötzlich war wieder Leben in der Bude.

In der Halbzeit klang Capablanca gelassen. "Alles gut. Wir führen, wir spielen. Mehr will ich nicht." Sein Gegenüber - Bleiburgs Coach, der sich anonym halten wollte ("Schreiben Sie einfach ’ein frustrierter Trainer’") - war weniger entspannt: "Wir haben mehr Ballbesitz, aber weniger Tore. Irgendwas stimmt da nicht." Recht hatte er. 55 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse - aber nur ein Treffer.

Nach der Pause wechselte Altach gleich dreimal. Alexander Hannigan kam für Paulo Suarez, Claude Petersen ersetzte Nikola Basta, und Ansgar Carlsen übernahm die rechte Seite. Drei Wechsel zur Halbzeit? "Ich wollte zeigen, dass ich den Mut habe, mich selbst zu überraschen", witzelte Capablanca später.

Bleiburg versuchte, das Spiel zu drehen, blieb aber harmlos wie ein Kätzchen im Schneesturm. Lukas Freitag kassierte in der 64. Minute Gelb, was bei einem 18-Jährigen, der sein erstes Auswärtsspiel in der Liga machte, fast ein Ehrenzeichen ist. "Ich hab den Ball gespielt, glaube ich", murmelte er nach Abpfiff, während sein Trainer ihm auf die Schulter klopfte: "Du hast wenigstens was gespielt."

Altach hingegen verwaltete das Ergebnis - allerdings mit Stil. Ari Peltonen blieb auch nach der Pause gefährlich, prüfte den Bleiburger Torhüter Walther Kohl mehrfach (56., 59., 69.). Der Ballbesitz blieb zwar auf Seiten der Gäste, aber die Effektivität? Ganz klar Altacher Territorium: 14 Torschüsse, zwei Treffer - das ist Pragmatismus mit Stil.

Als der Schiedsrichter in der 81. Minute zum Freistoß pfiff, schrie Capablanca von der Seitenlinie: "Kein Risiko!" Ari Peltonen hörte das offenbar nicht und zog ab - knapp vorbei. Auf der anderen Seite versuchte Florian Schütz (83.) den Ausgleich, aber Altachs Keeper Halvor Andreasen fing den Ball mit einem Grinsen. "Der war süß", sagte er danach.

Die letzten Minuten waren ein einziges Zittern für die Heimfans. Sigurd Mattson (86.) und Roland Ivana (88.) hätten alles klar machen können, doch sie verzogen knapp. In der Nachspielzeit noch einmal Ari Peltonen - drüber. Capablanca drehte sich um und meinte zu seinem Co-Trainer: "Ich hab schon aufgehört zu zählen."

Dann der Abpfiff. 2:1. Altach jubelt, Bleiburg hadert. Die Statistik spricht eine klare Sprache: 44 Prozent Ballbesitz, aber 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe bei Altach - das nennt man Effizienz. Drulic und Peltonen waren die Helden, Schneider der Ehrenretter.

"Wir haben verdient gewonnen", sagte Drulic nach dem Spiel und trank aus seiner Wasserflasche, als wäre es Champagner. "Zwei Tore reichen, wenn man klug spielt."

Capablanca ergänzte: "Es war kein Schach, aber nah dran." Und Bleiburgs Coach? "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht rein."

So endete ein Spiel, das alles hatte - Tempo, Tore, junge Wilde und einen Trainer, der den Humor nie verliert. Und während die Flutlichter langsam erloschen, seufzte ein Altach-Fan auf der Tribüne: "Wenn sie immer so spielen, frier ich auch bei minus fünf Grad gern."

Ein Satz, der vielleicht das Motto des Abends war: Warm wurde es nur durch den Fußball.

07.06.643987 01:13
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