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Wenn 64.010 Zuschauer ins Estadio Tres de Febrero strömen, dann erwartet man Spektakel - und genau das bekamen sie am 10. Spieltag der argentinischen Primera División. CD Almagro und Estudiantes La Plata trennten sich 2:2, ein Ergebnis, das auf dem Papier nach Gerechtigkeit aussieht, auf dem Rasen aber nach einem kleinen Wunder für beide Seiten roch. Die Partie begann mit einem Feuerwerk - allerdings nur im Kopf von Almagros Trainer Eddy Szkoki. "Wir wollten früh Druck machen", sagte er nach dem Spiel und grinste schief. "Das hat immerhin in der Kabine gut funktioniert." Denn auf dem Platz war zunächst Estudiantes das wachere Team. Schon nach 19 Minuten zappelte der Ball im Netz des Heimteams: Paulo Galindo vollendete einen blitzsauberen Angriff über die linke Seite, mustergültig bedient von Arnfinn Gulbrandsen. Der norwegische Mittelfeldroutinier grinste später: "Ich habe einfach nur geschossen - äh, gepasst natürlich." Almagro wirkte kurz geschockt, doch dann entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. 14 Torschüsse feuerten die Hausherren insgesamt ab - mehr als Estudiantes (12), aber bis zur Pause blieb es beim 0:1. Wout Maes, der belgische Wirbelwind auf der rechten Seite, drosch in der 13. Minute einen Ball knapp übers Tor, und kurz vor der Halbzeit prüfte Nael Antunes mit einem satten Schuss die Handschuhe von Estudiantes-Keeper Agustin Roy. "Wir waren da, aber nicht drin", stöhnte Maes später. "Und das ist im Fußball ja leider entscheidend." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild schlagartig. Die Pausenansprache von Szkoki muss gesessen haben - vielleicht mit einem leichten Unterton von Drohung, vielleicht auch nur mit einer besonders lauten Stimme. Jedenfalls traf Maes in der 51. Minute zum Ausgleich, nach schöner Vorarbeit von Julien Billet. Das Stadion explodierte, die Fans sangen, und selbst der Linienrichter grinste kurz. Doch Almagro wollte mehr. Mit offensiver Ausrichtung, starkem Pressing und einem sichtbar gewachsenen Selbstvertrauen drückten sie Estudiantes in die eigene Hälfte. "Wir hatten kurz das Gefühl, dass sie uns auffressen wollen", gab Gästetrainer Roman Pilgram später zu. "Aber dann fiel das 2:1 - für sie." Richtig gehört: In der 74. Minute war es Pol Bauza, der nach Vorarbeit von Lionel Djalo den Ball ins lange Eck schlenzte. Ein Tor, wie gemalt - und Bauza feierte es, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. Zehn Minuten später allerdings der Dämpfer: Estudiantes schlug zurück. Luca Vandervliet, der flinke Linksaußen, traf nach Vorlage von Mathias Weyenberg zum 2:2. "Ich dachte, wir hätten sie schon", murmelte Almagros Torhüter Jossi Pines-Paz nach Abpfiff. "Aber Fußball ist halt kein Wunschkonzert." Die Schlussphase bot dann alles, was ein argentinischer Fußballabend braucht: Emotionen, Gelbe Karten (Bauza sah in der 90. Minute eine für einen eher künstlerischen Versuch, Zeit zu schinden), wild gestikulierende Trainer und 22 Spieler, die aussahen, als hätten sie gerade einen Marathon hinter sich. Estudiantes hatte etwas mehr Ballbesitz (54,7 Prozent) und wirkte insgesamt abgeklärter, während Almagro die klareren Chancen besaß. "Ein gerechtes Unentschieden", meinte Pilgram, "aber wenn Sie mich morgen fragen, sage ich vielleicht das Gegenteil." Szkoki hingegen nahm es mit Humor: "Wir haben zwei Tore geschossen, sie auch - das ist Mathematik, keine Magie. Aber ich bin stolz auf meine Jungs. Sie haben sich reingebissen wie in ein argentinisches Steak." Im Taktikbereich war das Spiel eine kleine Lehrstunde in kontrolliertem Chaos. Beide Teams starteten offensiv, wechselten aber zwischenzeitlich zu aggressiverem Pressing. Estudiantes begann mit "Offensive" und "Anytime"-Schussverhalten, während Almagro disziplinierter, aber nicht weniger mutig agierte. In der zweiten Halbzeit zogen beide das Pressing an - mit dem Resultat, dass die Partie phasenweise einem Pingpongspiel glich. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten beide Trainer einander ab. "Das war ein gutes Spiel für die Fans", sagte Pilgram. "Nicht für meine Nerven, aber für die Fans." Und so endete ein Abend, an dem keiner verlor - außer vielleicht die Stimmbänder der Zuschauer. 64.010 Menschen gingen heiser, aber glücklich nach Hause. In Almagro wird man noch lange von diesem 2:2 sprechen. Und vielleicht, ganz vielleicht, wird Eddy Szkoki irgendwann zugeben, dass er in der 90. Minute heimlich um den Punkt gebetet hat. Denn manchmal ist ein Unentschieden eben das schönste Ergebnis der Welt - besonders, wenn man es sich so hart erarbeitet. 03.05.643987 13:02 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack