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Ein lauer Februarabend in Aachen, Flutlicht auf dem Tivoli, 2596 Zuschauer - und eine Mannschaft, die offenbar beschlossen hatte, an diesem 33. Spieltag der Oberliga E ein Zeichen zu setzen. Alemannia Aachen zerlegte den ASC Dudweiler mit 8:0 (5:0) - eine Lehrstunde in Sachen Spielfreude, Tempowechsel und jugendlicher Unbekümmertheit. Schon nach drei Minuten war der Ton gesetzt: Innenverteidiger Leo Anderson, sonst eher für rustikale Klärungsaktionen bekannt, traf nach einer Ecke von Aristidis Pavlopoulos per Kopf zum 1:0. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste der 20-Jährige später. Trainer Kölsche Alemanne kommentierte trocken: "Wenn der Leo anfängt, Tore zu schießen, dann weißt du, dass heute was geht." Und es ging. Nur drei Minuten später erhöhte der 19-jährige Thomas Eliot auf 2:0, mustergültig bedient von Mittelfeld-Teenager Paisis Donis. Dudweiler wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Team, das noch auf den Bus wartet, während Alemannia bereits im ICE sitzt. In der 18. und 22. Minute drehte dann Marco Pelayo auf - zweimal eiskalt, zweimal nach butterweichen Vorlagen. Erst Pavlopoulos, dann der blutjunge Linksverteidiger Ignati Warlamow legten auf. 4:0 nach knapp über zwanzig Minuten. Auf der Gästebank raufte sich Trainer Mob Sabah die Haare und murmelte lautstark: "Ich habe gesagt, offensiv stehen, nicht offen wie ein Scheunentor!" Dudweiler reagierte mit Härte statt Struktur: Hartmut Block sah früh Gelb (5.), Niclas Rohde folgte ihm mit einer ebenso überflüssigen Grätsche (25.). Kurz vor der Pause setzte Vincent Karlsson mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck das 5:0 - Vorlage Heinz Reinhardt. Der Pausenpfiff kam für die Gäste wie ein Rettungsboot, für Aachen wie ein lästiger Zwischenstopp. "Ich hab in der Kabine gesagt: Jungs, spielt einfach weiter, als wäre’s 0:0. Nur, äh, mit mehr Spaß", erzählte Alemanne später lachend. Und seine Spieler verstanden die Botschaft. Nach Wiederanpfiff dauerte es keine zehn Minuten, da machte Thomas Eliot mit seinem zweiten Treffer (52.) das halbe Dutzend voll. Wieder hatte Pavlopoulos die Vorlage gegeben - der 17-jährige Grieche war an vier Toren direkt beteiligt und dürfte sich spätestens jetzt bei sämtlichen Scouts in die Notizblöcke gespielt haben. Dudweiler? Kam offensiv nicht über die Mittellinie hinaus. Null Torschüsse - die Statistik spricht Bände. Torwart Vlad Negrila im Aachener Kasten hätte wohl Zeit gehabt, Sudoku zu lösen. "Ich hab irgendwann gefragt, ob ich mir eine Jacke holen darf", witzelte der 17-Jährige später. In der 68. Minute war wieder Karlsson zur Stelle, diesmal nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Walter Moll, der sich trotz Gelber Karte (58.) noch unermüdlich in die Offensive einschaltete. Zehn Minuten später - das Publikum hatte längst Wellen geschlagen - krönte Karlsson seinen Sahneabend mit dem dritten Treffer (78.), erneut nach Pass von Reinhardt. ASC-Kapitän Janis Braun sah später Gelb-Rot (93.) - ein sinnbildlicher Schlusspunkt für einen Abend, an dem die Saarländer kollektiv überfordert wirkten. "Ich hatte irgendwann Mitleid mit meinem Keeper", gab Braun nach dem Spiel zu, "aber dann hab ich wieder gesehen, wie Karlsson anlief - da war das Mitleid weg." Alemannia Aachen spielte sich in einen Rausch: 20 Schüsse aufs Tor, 59 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von über 60 Prozent. Dudweiler dagegen wirkte wie ein Team, das auf Autopilot lief - allerdings mit leerem Tank. Trainer Alemanne fasste das Geschehen nüchtern zusammen: "Wir wollten Spaß haben, und das hat man, wenn man den Ball behält." Sein Gegenüber Sabah war weniger gelassen: "Ich hab selten eine Mannschaft gesehen, die sich selbst so zerlegt. Wir müssen die Trümmer jetzt aufsammeln." Auf den Rängen wurde schon gesungen, dass man den Tivoli wieder zu einer Festung gemacht habe - und zumindest an diesem Abend stimmte das. Acht Tore, fünf verschiedene Vorlagengeber, kein Gegentor, kein Leerlauf. Wer allerdings glaubte, dass Alemanne nach dem Schlusspfiff in Euphorie verfällt, wurde überrascht: "Nächste Woche will ich, dass wir defensiv stabiler stehen", sagte er mit einem Augenzwinkern. Nach einem 8:0. Man darf gespannt sein, wie Dudweiler diesen Abend verarbeitet - und ob Aachen diese Spielfreude konservieren kann. Für den Moment aber gilt: Wenn die Alemannia so weitermacht, wird der Tivoli bald wieder zur gefürchteten Kulisse alter Tage. Und irgendwo in der Kabine summte wohl einer der Spieler: "So macht Fußball Spaß." Nicht als Zitat, sondern als Tatsache. 13.04.643990 17:37 |
Sprücheklopfer
Durch unsere Reihen konnte man locker mit einem LKW fahren und bequem drehen.
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