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Es war ein Abend, an dem selbst die Hitze von Durango kurz innehielt, um dieses Spektakel zu bestaunen. 59.000 Zuschauer verwandelten das Estadio de los Alacranes in einen brodelnden Kessel, als Alacranes Durango im Achtelfinal-Hinspiel der Copa Libertadores den Aragua FC mit 3:2 in die Knie zwang - ein Ergebnis, das so knapp war wie das Lächeln von Trainer Manni Kaltz nach dem Schlusspfiff. Aragua begann forsch, fast übermütig. Schon in der 14. Minute klingelte es: Der pfeilschnelle Egil Ali, 23, mit der Unbekümmertheit eines Straßenkickers und der Präzision eines Uhrmachers, schob nach feinem Zuspiel von Ivan Carracedo zum 0:1 ein. "Ich dachte, ich hätte ihn abseits erwischt", murmelte Durangos Innenverteidiger Baltsar Nelsen später, "aber der Schiedsrichter hatte wohl bessere Augen als ich." Doch wer die Alacranes kennt, weiß: Die stechen zurück. Nur sechs Minuten später war es Humberto Varela, der nach einer butterweichen Vorlage von Marcio Jordao den Ball in die Maschen drosch - 1:1, und das Stadion explodierte. "Marcio hat den Ball so perfekt reingelegt, ich musste ihn nur noch beleidigen, um ihn zu treffen", grinste Varela nach dem Spiel. Durango übernahm zunehmend das Kommando, während Aragua zwar mehr Torschüsse sammelte (15 zu 9), aber oft an der eigenen Nervosität scheiterte. In der 44. Minute dann der Doppelschlag, der das Spiel kippte: Wieder Jordao, diesmal selbst als Vollstrecker, nach Vorlage des unermüdlichen Rui Bischoff. 2:1, und Manni Kaltz ballte die Faust so fest, dass man kurz um seine Uhr bangte. Zur Pause sah alles nach einem kontrollierten Abend für die Hausherren aus. Doch Aragua-Coach Claire Werk hatte andere Pläne. "Wir wollten sie überrollen, offensiv bleiben, mutig sein", erklärte sie später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Trotz und Stolz pendelte. Gesagt, getan: Egil Ali schlug in der 54. Minute erneut zu, diesmal nach Flanke des rechten Verteidigers Michel Gonzalo. 2:2 - und die Stimmung kippte für einen Moment ins Nervöse. Doch Durango wäre nicht Durango, wenn sie nicht noch ein Ass im Ärmel hätten - oder besser: ein Marcio Jordao. Der 32-Jährige, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, auf alles zu schießen, was sich bewegt, traf in der 64. Minute erneut, wieder nach Vorarbeit von Rui Bischoff. 3:2! Und wieder bebte die Arena. Kurz darauf sah Linksverteidiger Albert Ohlsson Gelb, nachdem er einen Aragua-Konter etwas rustikal unterbunden hatte - "Ich habe nur den Ball gespielt, aber der Ball war eben noch am Fuß des Gegners", verteidigte er sich später mit einem Grinsen. Aragua drückte in der Schlussphase, warf alles nach vorne, Egil Ali prüfte Torhüter Vincent Antolin gleich mehrfach, doch der Schlussmann der Alacranes wuchs über sich hinaus. "Ich hab einfach gehofft, dass sie nicht wieder auf Ali spielen", lachte er nach dem Abpfiff, "aber natürlich taten sie’s trotzdem." Mit 55 Prozent Ballbesitz und einer kämpferischen Quote von 48 Prozent gewonnener Zweikämpfe war Durango zwar nicht das dominierende, aber das effizientere Team. Aragua dagegen verpasste es, aus seinen 15 Torschüssen mehr Kapital zu schlagen - vielleicht auch, weil der letzte Pass oft fehlte, oder weil die Alacranes im entscheidenden Moment einfach giftiger waren. Trainer Manni Kaltz fasste es trocken zusammen: "Wir haben nicht schön gespielt, aber wir haben gewonnen. Und in der Copa Libertadores zählt Schönheit so viel wie ein Regenschirm in der Wüste." Aragua-Trainerin Claire Werk blieb gelassen: "Wir haben zwei Auswärtstore - das Rückspiel wird ein anderes Spiel." Dann drehte sie sich um und verschwand mit einem Lächeln, das man in Durango noch lange nicht vergessen wird. Fazit? Ein 3:2, das Lust auf mehr macht. Durango hat die bessere Ausgangsposition, aber Aragua hat gezeigt, dass sie jederzeit zustechen können. Man darf gespannt sein, ob die Skorpione im Rückspiel noch einmal stechen - oder ob Aragua das Gift neutralisiert. Bis dahin bleibt eines sicher: Wer dieses Spiel gesehen hat, wird sich fragen, warum man überhaupt jemals etwas anderes als Fußball schaut. Und wer es verpasst hat - nun ja, der hat 90 Minuten purer Copa-Magie verpasst. 30.09.643987 12:50 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon