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Es gibt Spiele, in denen man sich fragt, ob die eine Mannschaft den Ball mit Magneten kontrolliert und die andere mit Luftballons spielt. Das Aufeinandertreffen von Adlershof und Borussia Emsdetten am Montagabend gehörte zweifellos zu dieser Kategorie. 2295 Zuschauer sahen im Adlershofer Stadion einen Gastauftritt, der so dominant war, dass man sich wundern musste, warum der Bus der Borussia nicht gleich auf dem Spielfeld parkte - schließlich waren sie ohnehin ständig dort. Emsdetten gewann verdient mit 2:0 (1:0) und ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, wer hier die Landesliga-Partitur schrieb. Schon in der ersten Spielminute prüfte der 18-jährige Stürmer Joseba Corona die Reflexe von Adlershofs Torwart Simon Lutz, der in dieser Partie mehr zu tun hatte als ein Bankangestellter am Monatsende. Insgesamt feuerte Emsdetten 19 Torschüsse ab, während Adlershof sich mit einem einzigen Versuch begnügte - ein Wert, der eher an Curling erinnert als an Fußball. "Wir wollten mutig sein, aber irgendwie blieb das Mutige wohl in der Kabine", seufzte Adlershofs Kapitän Florian Binder nach dem Spiel. Sein Trainer, der nachdenklich am Spielfeldrand die Hände in den Taschen vergrub, ergänzte trocken: "Wenn man den Ball nicht hat, kann man auch keine Tore schießen. Wir hatten ihn erstaunlich selten." 44 Prozent Ballbesitz standen am Ende auf dem Statistikzettel der Gastgeber - ein Wert, der das Geschehen erstaunlich gnädig zusammenfasst. Das 0:1 fiel in der 35. Minute: Mirko Dembinski, Emsdettens quirliger Mittelfeldmotor, steckte den Ball durch die Schnittstelle, und der flinke Aad Van Cortlandt, gerade einmal 18 Jahre jung, spitzelte das Leder an Lutz vorbei ins Netz. Während der Gästeblock jubelte, blickten die Adlershofer Verteidiger einander an, als wollten sie fragen, wer denn eigentlich für den Niederländer zuständig gewesen sei. "Ich dachte, der wäre noch in der Jugendmannschaft", murmelte Verteidiger Maik Stahl später halb entschuldigend. Adlershofs einzige nennenswerte Offensivaktion kam in der 28. Minute, als Julian Held aus spitzem Winkel abzog - ein Schuss, der aber mehr an einen Freundschaftsgruß erinnerte als an eine ernsthafte Bewerbung für den Ausgleich. Danach ging es wieder in die andere Richtung. Emsdetten kombinierte ruhig, beinahe demonstrativ gelassen. "Wir haben defensiv gestanden, aber offensiv gedacht", erklärte Trainer Nico Wolf lächelnd. Man sah es: Seine Mannschaft spielte taktisch diszipliniert, blieb in der Grundordnung defensiv, aber nutzte jede Gelegenheit, um gefährlich vors Tor zu kommen. In der zweiten Halbzeit wurde Adlershof zwar bemüht, aber ohne Idee. Emsdetten hingegen blieb geduldig - wie eine Katze, die mit der Maus spielt, bevor sie zubeißt. In der 83. Minute war es dann soweit: Dembinski, erneut als Strippenzieher, legte für Detlev Hase auf, der aus der zweiten Reihe präzise und trocken ins linke Eck abschloss. 2:0, Spiel entschieden, und auf der Gästebank brach kollektives Schulterklopfen aus. "Wir hätten vielleicht früher wechseln sollen", meinte Adlershofs Betreuer nachdenklich, "aber wen hätten wir bringen sollen? Einen Stürmer, der auch mal aufs Tor schießt, wäre schön gewesen." Der Humor ist immerhin geblieben. Emsdetten zeigte auch in der Schlussphase keine Spur von Überheblichkeit. Stattdessen wechselte Wolf in der 72. Minute den jungen Hugo Montanes ein - 17 Jahre alt, kaum älter als die Balljungen - und ließ ihn noch ein paar Läufe die Linie entlang machen. "Er sollte einfach Spaß haben", grinste der Trainer später. "Wir hatten das Spiel ja im Griff." Die Zahlen sprechen ohnehin eine klare Sprache: 19:1 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, und eine Zweikampfquote von fast 59 Prozent. Adlershof lief, kämpfte, grätschte - aber meist ins Leere. Nach dem Spiel klatschten die Emsdettener Fans ihre Mannschaft ab, während die Gastgeber unter dem Beifall der Treuesten in die Kabine schlichen. "Manchmal ist Fußball eben einfach", philosophierte Torschütze Hase. "Wer den Ball öfter hat, gewinnt. Heute war das zum Glück mal wieder so." Bleibt zu hoffen, dass Adlershof aus dieser Lehrstunde die richtigen Schlüsse zieht. Denn wenn man 89 Minuten hinterherläuft, kann man wenigstens in der 90. noch etwas lernen: wie man sich höflich beim Gegner für die Demonstration bedankt. Und so endete der Abend in Adlershof mit einem leisen Seufzen - und dem festen Vorsatz, beim nächsten Mal den Ball vielleicht etwas länger zu behalten. 02.06.643993 11:03 |
Sprücheklopfer
Als wir die Kampagne vor vier Jahren begonnen haben, standen wir bei Null Komma Null Point Null Prozent.
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