Jornal do Brasil
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AD Santo Andre stürmt ins Pokalfinale - UD Santos kämpft vergeblich

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball Geschichten schreibt, die man sich beim Feierabendbier noch einmal mit großen Gesten erzählt. 43.500 Zuschauer im Estádio Municipal, und alle wollten sie sehen, wie UD Santos endlich wieder ins Pokalfinale einzieht. Am Ende jedoch jubelte der Gast: AD Santo Andre gewann das Halbfinale mit 2:1 (1:0) und zog verdient, wenn auch mit etwas Glück, ins Endspiel ein.

Von Beginn an war klar, dass Santo Andre mit offenem Visier angreifen würde. Trainer Alexander Pachmann hatte seine Elf offensiv eingestellt, und schon nach zwei Minuten prüfte Paulo Garcia den Santos-Keeper Arkadiusz Dziekanowski - ein Vorgeschmack auf einen turbulenten Abend. In Minute 17 wurde es erstmals laut: Leandro de Almeida, dieser 21-jährige Wirbelwind auf der linken Seite, verwertete einen Steilpass seines Namensvetters Leandro Semedo eiskalt ins rechte Eck. 1:0 für die Gäste - und plötzlich war es im Stadion so still, dass man die enttäuschten Seufzer auf der Haupttribüne zählen konnte.

UD Santos wirkte geschockt, rannte aber an. Antonio Bischoff, der auffälligste Spieler im weiß-blauen Trikot, suchte mehrfach den Abschluss. Allein - der Ball wollte nicht rein. "Manchmal ist das Tor einfach kleiner als sonst", scherzte Bischoff später mit einem bitteren Lächeln.

Trainerin Brasilia Santos (kein Verwandtschaftsverhältnis zum Vereinsnamen, wie sie stets betont) gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Wir hatten klar mehr Zug zum Tor, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", knurrte sie nach dem Spiel. Ganz Unrecht hatte sie nicht: UD Santos kam auf 13 Torschüsse, Santo Andre auf deren 8 - doch die Gäste machten mehr daraus.

Nach dem Seitenwechsel erhöhte der Druck der Hausherren, während Santo Andre clever lauerte. Dann, in der 67. Minute, schlug der Pokalfluch erneut zu. Wieder war es ein Leandro-Semedo-Pass, diesmal auf Caio Custodio, der im Strafraum alle Zeit der Welt hatte. Dziekanowski kam einen Schritt zu spät, und Custodio legte den Ball locker ins lange Eck. 2:0.

Die Fans von UD Santos griffen sich an den Kopf, einige griffen zur Cola, andere wohl zur Hoffnung. Und siehe da - sieben Minuten später kam tatsächlich noch einmal Leben in die Partie. Der erst 17-jährige Antonio Adao, gerade erst eingewechselt, spielte einen Traumpass auf Bischoff, der diesmal nicht zögerte. 1:2! Der Anschlusstreffer in der 74. Minute ließ das Stadion erbeben.

"Da dachte ich: Jetzt kippt das Ding", erzählte UD-Kapitän Rafael Silva später. Und tatsächlich - in den folgenden Minuten wogte das Spiel hin und her, UD drückte, Santo Andre verteidigte mit allem, was Beine hatte. Als Silva in der 96. Minute noch einmal abzog, hielt der Gästetorwart Caio Santos den Sieg fest - spektakulär, mit den Fingerspitzen.

"Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht schön aussehen", grinste Trainer Pachmann nach dem Abpfiff. "Und zur Not hätten wir uns alle elf hinten reingestellt - aber es war ja gar nicht nötig."

Die Statistiken des Abends erzählen eine eigene Geschichte: 56 Prozent Ballbesitz für Santo Andre, doch UD Santos mit mehr Schüssen und einer besseren Zweikampfquote (53 Prozent). Zahlen, die zeigen, dass Einsatz und Wille da waren - aber eben nicht die Kaltschnäuzigkeit.

Ein kleines Kuriosum am Rande: Gleich vier Spieler bei Santo Andre heißen Leandro - Semedo, de Almeida, Ze Castro und Almeida. "Ich hab irgendwann nur noch ’Leandro, geh drauf!’ gerufen", lachte Pachmann. "Einer hat’s dann immer gemacht."

Für UD Santos bleibt die bittere Erkenntnis, dass im Pokal manchmal die Effizienz siegt, nicht der Aufwand. "Wir haben alles reingeworfen", seufzte Brasilia Santos, während sie in den Kabinengang verschwand. "Aber wenn du vorne drei Chancen liegen lässt, bist du hinten irgendwann fällig."

So zieht also AD Santo Andre ins Pokalfinale ein - mit taktischer Disziplin, jugendlicher Leichtigkeit und ein bisschen Fortuna im Gepäck. UD Santos hingegen verabschiedet sich aus dem Wettbewerb mit erhobenem Kopf, aber leerer Hand.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr beim Verlassen des Stadions: "Schön gespielt, Jungs. Aber schön allein gewinnt eben keine Pokale." Man möchte ihm kaum widersprechen.

10.08.643993 17:57
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Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
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