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Ein lauer Abend in Ecuador, 16.000 Zuschauer, ein Auftakt, wie ihn die 1. Liga nur selten sieht: Kaum hatte der Schiedsrichter gepfiffen, zappelte der Ball schon im Netz. Gerade einmal 60 Sekunden waren vergangen, als AD Quitos Rechtsaußen Pedro Esteve nach feiner Vorarbeit von Sergio Costa die Gastgeber von Sporting Audaz eiskalt erwischte. "Ich dachte, wir hätten noch Einlaufen", murmelte Audaz-Trainer (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte) später halb im Spaß - halb im Schmerz. Von da an war klar, wer an diesem Freitagabend den Ton angab. Quito spielte, als wäre die Saison schon in der heißen Phase, während Sporting Audaz so wirkte, als sei der Sommerurlaub noch nicht ganz verdaut. 60 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse zu einem einzigen Versuch der Gastgeber - das Zahlenbild erzählt eine Geschichte von Überlegenheit, die selbst ohne Statistik spürbar war. Pedro Esteve, 25 Jahre jung und im Vollsprint kaum einzufangen, wirbelte auf der rechten Seite wie ein tropischer Sturm. Immer wieder prüfte er den bedauernswerten Keeper Felipe Villar, der trotz dreier Gegentore zu den Besten seines Teams zählte. "Drei Tore kassieren und trotzdem Lob bekommen - das ist Fußball", seufzte Villar nach dem Abpfiff und grinste gequält. Die erste Halbzeit war eine einzige Einbahnstraße. Ezequiel Aguas und Amaury Domingo feuerten aus allen Lagen, Ricardo Ronaldo (!) - nein, kein Tippfehler - versuchte sich vom rechten Flügel, während Sporting Audaz kaum über die Mittellinie kam. Das Publikum reagierte mit Galgenhumor: Als Enrico Rosso in der 73. Minute tatsächlich den ersten und einzigen Schuss aufs Tor abgab, brandete Jubel auf, als hätte man soeben die Meisterschaft gewonnen. Doch wer glaubte, AD Quito würde sich mit einem knappen 0:1 begnügen, kennt Trainer Norbert Lichner schlecht. Der Deutsche an der Seitenlinie, stets mit Notizbuch bewaffnet, wirkte selbst beim Stand von 0:2 noch unzufrieden. "Wir hätten mindestens fünf machen müssen", knurrte er nach dem Spiel. Seine Jungs nahmen ihn beim Wort: In der 78. Minute erhöhte der 19-jährige Xavi Couto nach erneutem Zuspiel von Costa auf 0:2 - ein technisches Kabinettstück, das man in Quito wohl noch lange in Erinnerungsclips sehen wird. Nur vier Minuten später traf Verteidiger Ricardo Ronaldo zum 0:3-Endstand, nach einer butterweichen Flanke von Rafael Sousa. Wenn selbst der Rechtsverteidiger trifft, weiß man: Der Gegner ist erledigt. Sousa kassierte kurz darauf zwar noch Gelb, aber das war mehr ein Zeichen von Beschäftigungstherapie - endlich durfte auch Sporting mal einen Zweikampf gewinnen. Auf der Gegenseite der Frust: Jorge Galva holte sich in der 76. Minute eine Gelbe Karte ab, weil er den Ball wütend in Richtung Tribüne drosch. "Ich wollte ihn eigentlich in den Himmel schießen - das war das Einzige, was heute geklappt hat", meinte er trocken. Die Statistiken sprachen eine klare Sprache: 39 Prozent Ballbesitz für Audaz, eine Zweikampfquote von 40 Prozent, ein einziger Torschuss. Man könnte sagen, sie waren stets bemüht - aber das wäre schon fast zu freundlich. AD Quito dagegen bestach durch Balance in allen Linien. Lichners taktische Handschrift - ausgewogen, ruhig, ohne übertriebenes Pressing - war deutlich zu erkennen. Kein wildes Draufgehen, kein überhitztes Anrennen, sondern kontrollierte Dominanz. "Wir spielen lieber klug als hektisch", sagte der zweifache Vorlagengeber Sergio Costa, als er mit einem Becher Isotonik aus der Kabine kam. "Und wenn Pedro vorne was draus macht, umso besser." Sporting Audaz hingegen muss nach dieser Vorstellung dringend die Reset-Taste finden. "Wir haben Lehrgeld bezahlt", meinte Kapitän Olaf Fuchs, der als Innenverteidiger vergeblich versuchte, das Unvermeidliche zu verhindern. "Aber wenigstens wissen wir jetzt, wie schnell man hier bestraft wird, wenn man nur zuguckt." So endet der erste Spieltag der ecuadorianischen Liga mit einem Resultat, das fast zu milde klingt: 0:3 (0:1) aus Sicht von Sporting Audaz. Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft mit verhaltenem Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Hoffnung. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein Zuschauer gesagt haben: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens gegen eine Mannschaft, die Fußball spielt." - Ein Satz, den man in Quito wohl gerne unterschreiben würde. Kurzum: AD Quito meldet sich mit einem Statement-Sieg zurück, Sporting Audaz mit einem Weckruf. Beide dürften wissen, was das bedeutet - die einen dürfen träumen, die anderen müssen trainieren. 29.05.2026 21:33 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei