La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

AD Quito überrollt Sporting Audaz - 4:1 trotz weniger Ballbesitz

Serie A | 22. Spieltag | 02.09.26 | Sporting Audaz - AD Quito 1:4

Sporting Audaz hatte den Ball, AD Quito hatte offenbar den Spielplan. Am 22. Spieltag der Serie A setzte sich Quito am Mittwochabend vor 16.000 Zuschauern mit 4:1 (3:1) durch und verwandelte das Heimstadion von Audaz in eine ziemlich große Wartehalle für enttäuschte Fans.

Dabei begann die Partie um 20 Uhr zunächst so, als hätte Quito es eilig. Schon in der 8. Minute traf Luís Alvaro nach Vorarbeit von Matias Beltran zur Führung. Der rechte Mittelfeldspieler schoss damit nicht nur das erste Tor, sondern auch das erste größere Loch in die Hoffnung der Gastgeber. "Wir wollten von Beginn an mutig auftreten", erklärte Quito-Trainer Norbert Lichner später sinngemäß. Mutig war das durchaus. Rücksichtsvoll eher nicht.

Sporting Audaz versuchte, mit ausgewogenem Spiel und kurzen Wegen ins Match zu finden. Doch die Gäste, von Beginn an offensiv ausgerichtet, standen immer wieder dort, wo es wehtut: im Strafraum. In der 22. Minute erhöhte Mittelstürmer Zvonimir Males, vorbereitet von Diego Alcantara, auf 2:0. Eine Minute später legte Adem Tasdemir nach. Christiano Ortiz hatte ihn bedient, die Audaz-Abwehr vermutlich noch mit der Frage beschäftigt, ob das Ganze wirklich gerade passierte.

Auf den Rängen wurde es stiller. Ein Zuschauer in der Nähe der Pressetribüne murmelte: "Wenn das so weitergeht, können wir wenigstens früher nach Hause." Er sollte nicht erhört werden - vermutlich aus Sicherheitsgründen für die Dramaturgie.

In der 33. Minute meldete sich Sporting Audaz zurück. Mitrofan Krutow verkürzte nach Vorlage von Vitor Garces auf 1:3. Der linke Angreifer hatte zuvor bereits mehrfach den Abschluss gesucht und bewies nun, dass einer seiner Versuche tatsächlich auch die richtige Adresse finden kann. Kurz vor der Pause blieb es bei diesem Zwischenstand. Quito hatte in der ersten Hälfte drei Tore erzielt, Audaz eines - ein Verhältnis, das sich auch mit sehr großzügiger Auslegung schwer schönrechnen ließ.

Nach dem Seitenwechsel dauerte es nur vier Minuten, bis Tasdemir erneut zuschlug. Sein zweiter Treffer zum 4:1 nahm der Partie endgültig die Spannung. "Nach dem vierten Tor wussten wir, dass wir ruhig bleiben müssen", sagte Lichner sinngemäß. Eine bemerkenswert bescheidene Analyse für eine Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt eher darüber nachdenken durfte, ob sie noch ein fünftes Tor wollte.

Audaz gab sich nicht auf. Jozef Hasa und Krutow suchten den Abschluss, Javier Antonio versuchte es in der Nachspielzeit. Doch Quito verteidigte konzentriert und ließ keine weitere Aufholjagd zu. Die Gäste kamen insgesamt auf 13 Torschüsse, Sporting Audaz auf neun. Auch beim Ballbesitz hatte das Heimteam mit 52,18 Prozent leicht die Nase vorn. Nur: Besitz ist im Fußball nicht dasselbe wie Ertrag. Wer den Ball länger hat, gewinnt nicht automatisch - sonst wäre das Spiel eine Inventur.

Auffällig war zudem, dass Quito über die gesamte Partie offensiv blieb, ohne in hektisches Pressing zu verfallen. Audaz spielte ausgewogen, Quito offensiv und mit klarer Chancenverwertung. Vier Gelbe Karten verteilten sich auf beide Teams, drei davon an die Gastgeber. Javier Antonio und Vitor Garces mussten bei Audaz ebenso aufpassen wie Ingo Frechaut; bei Quito sah Ortiz die Verwarnung.

So bleibt unter dem Strich ein verdienter Auswärtssieg für AD Quito. Sporting Audaz hatte mehr vom Ball, aber Quito mehr vom Abend. Und manchmal ist das im Fußball die unangenehme Wahrheit: Der Ball kann einem gehören - solange man ihn nicht ins Tor bekommt.

02.09.2026 22:29
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Wenn ich den Fans den Stinkefinger zeige, weiß ich, dass ich im nächsten Spiel ausgepfiffen werde. Das macht mich richtig geil auf das Spiel.
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