La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

AD Quito stiehlt Expreso Cuenca in einem wilden Schlagabtausch den Sieg

Serie A | 25. Spieltag | 05.09.26 | Expreso Cuenca - AD Quito 1:2

Es war ein Fußballabend, an dem die Nerven offenbar Freikarten bekommen hatten. 33.500 Zuschauer sahen am 25. Spieltag der Serie A, wie AD Quito bei Expreso Cuenca mit 2:1 gewann - obwohl die Gastgeber häufiger aufs Tor schossen und lange den mutigeren Eindruck machten. Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb. Sonst hätte Cuenca an diesem Abend vermutlich gewonnen.

Expreso Cuenca begann offensiv, ohne dabei kopflos zu wirken. Die Mannschaft von Trainer Dierk Nordi suchte den Weg nach vorn, zunächst ausgewogen über die verschiedenen Angriffszonen. Ingo Carracedo prüfte schon in der zweiten Minute die Aufmerksamkeit der Quito-Abwehr, Andrej Brezinsky legte kurz darauf zweimal nach. Die Botschaft war klar: Hier wollte niemand 90 Minuten lang höflich um Erlaubnis bitten.

Doch AD Quito zeigte, dass auch Gäste einen Plan haben können. In der 17. Minute schlug Cesar Roy zu. Sergio Costa hatte den Angriff vorbereitet, Roy blieb ruhig und brachte Quito mit 1:0 in Führung. Auf der Tribüne dürfte zu diesem Zeitpunkt mancher Anhänger gedacht haben: "Das ging jetzt aber schnell." Und tatsächlich dauerte es gerade einmal eine Minute, bis die Antwort kam.

Ivan Muzek erzielte in der 18. Minute den Ausgleich für Cuenca. Miroslav Komljenovic lieferte die Vorarbeit, Muzek vollendete - 1:1. Für einen kurzen Moment war das Stadion ein einziger großer Freudenschrei, während die Quito-Spieler vermutlich kollektiv nach dem imaginären Reset-Knopf suchten. "Wir wollten zeigen, dass uns der Rückstand nicht aus dem Konzept bringt", sagte Muzek später angeblich. "Außerdem war noch genug Zeit, um mindestens zweimal zu jubeln."

Die Gastgeber hatten in der ersten Hälfte mehr Abschlüsse und kamen insgesamt auf 15 Torschüsse. AD Quito brachte es auf zehn. Trotzdem blieb das Spiel ausgeglichen, auch beim Ballbesitz: 49,0 Prozent für Cuenca, 51,0 Prozent für Quito. Kein Team konnte sich also rühmen, den Ball dauerhaft adoptiert zu haben.

Kurz vor der Pause sah Antonio Valentin die Gelbe Karte. Zur Halbzeit reagierte Nordi und nahm mehrere Veränderungen vor: Gustav Baier, Janos Zele und Pedro Fernandes kamen ins Spiel, unter anderem für Alfonso Ferron, Antonio Valentin und Callum Donovan. Die taktische Ausrichtung blieb offensiv, die Aggressivität von Cuenca wurde jedoch sichtbar erhöht. Das klang auf dem Papier nach einer guten Idee. Auf dem Platz wurde daraus ein ziemlich energisches Ringen um jeden Meter.

Quito hielt dagegen und wurde im zweiten Durchgang zielstrebiger. Jordi Ronaldo, der im zentralen Mittelfeld auffällig oft den Abschluss suchte, zwang Cuenca mehrfach zum Nachdenken. In der 73. Minute fiel dann die Entscheidung: Xavi Couto bediente Pedro Esteve, der zum 2:1 für AD Quito traf. Esteve hatte bereits zuvor gefährlich agiert - diesmal stimmte auch das Ergebnis. Ein kleiner, aber nicht ganz unwichtiger Unterschied.

Expreso Cuenca warf danach alles nach vorn. Helmut Jürgens und Andrej Brezinsky suchten noch einmal den Abschluss, doch Quito verteidigte leidenschaftlich. Trainer Norbert Lichner stellte seine Mannschaft in der Schlussphase auf aktives Pressing und vollen Einsatz um. "Am Ende war jeder Ball ein Bewerbungsgespräch für den nächsten Zweikampf", soll Lichner nach dem Abpfiff gesagt haben. Ganz falsch lag er damit nicht.

Pedro Fernandes sah in der 76. Minute noch Gelb, Quito brachte die Führung aber über die Zeit. Der Schlusspfiff beendete einen Abend, an dem Cuenca 15-mal schoss, Quito nur zehnmal - und trotzdem die drei Punkte mitnahm. So ungerecht kann Fußball sein. Oder, je nach Fanlager, so wunderbar.

Expreso Cuenca hatte den größeren Tatendrang. AD Quito hatte die bessere Rechnung. Am Ende stand es 1:2 - und irgendwo in Cuenca sucht vermutlich noch immer jemand nach dem Tor, das aus all den Chancen eigentlich hätte entstehen müssen.

05.09.2026 21:57
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