Außenseiter
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Acht-Tore-Spektakel an der Hafenstraße - Essen und Erfurt trennen sich 4:4

Wenn am kalten Januarabend 3.467 Zuschauer im Stadion an der Hafenstraße den Atem anhalten, dann wissen sie meist: Hier passiert etwas, das man so schnell nicht vergisst. Und tatsächlich, Rot-Weiss Essen und RW Erfurt lieferten sich am 17. Spieltag der Oberliga H ein Duell, das irgendwo zwischen Fußballchaos und Kunstperformance pendelte. 4:4 hieß es am Ende - ein Ergebnis, das die Spielstatistik ebenso schwindelig machte wie die Trainer an der Seitenlinie.

Dabei begann alles recht geordnet. Schon in der 14. Minute brachte der 17-jährige José Valente die Gastgeber in Führung. Der Teenager, offenbar unbeeindruckt von Kälte und Gegner, schlenzte den Ball nach feinem Zuspiel von Miguel Travassos ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Valente später, "der Ball wollte wohl rein." So einfach kann Fußball sein.

Erfurt antwortete in Minute 28 - Hermann Gebhardt, der erfahrene Mittelfeldmotor, traf nach Pass von Volker Heinze zum 1:1. "Da war der Ball wie an der Schnur gezogen", meinte Gebhardt, während Trainer Mario Pingel auf der Bank erleichtert durchatmete. "Ich dachte schon, wir müssten wieder einem Rückstand hinterherlaufen. Aber Hermann hat’s gerichtet."

Die Halbzeit brachte kurze Frostpause und langes Grübeln bei beiden Trainern. Essens Coach Luca Orlando, stets mit Notizbuch und Stirnrunzeln, wechselte früh: Heinz Reinhardt kam zur zweiten Hälfte - ein Wechsel, der sich später noch bezahlt machen sollte.

Doch zunächst jubelte wieder Erfurt. Ernst Krug, zentraler Mittelfeldspieler mit Präzision eines Uhrwerks, traf in der 53. Minute nach Vorarbeit von Gebhardt - 1:2. Essen wackelte, aber fiel nicht. Nur fünf Minuten später war es Carl Walther, der mit einem satten Linksschuss den Ausgleich besorgte. Der 30-Jährige, sonst eher der ruhige Taktgeber, ließ das Netz erzittern, als wolle er sagen: "So, jetzt ist wieder Ordnung."

Und dann kam die Phase, die das Spiel endgültig in die Geschichtsbücher der Hafenstraße katapultierte. In der 70. Minute stieg der 17-jährige Innenverteidiger Dylan Donahue nach einer Ecke höher als alle anderen und köpfte das 3:2. Sein Jubel? Eine Mischung aus Ungläubigkeit und purem Glück. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass ich den Ball treffe", lachte der Youngster später.

Fünf Minuten danach erhöhte Heinz Reinhardt - jener Einwechselspieler - auf 4:2. Nach Vorarbeit von Linksverteidiger Nick Christ drosch er den Ball aus 18 Metern ins Eck. Die Tribüne tobte, Orlando ballte die Fäuste, und manch einer dachte: Das war’s. Doch wer das dachte, kennt diesen Sport nicht.

Denn Erfurt hatte noch einen Carsten Lange. Der 20-jährige Linksaußen, bisher eher unauffällig, drehte in der Schlussphase auf wie ein Espresso-Doppelschuss. In der 79. Minute verkürzte er nach Vorlage von Gebhardt auf 4:3, und kaum hatte sich der Stadionsprecher verhaspelt, traf er in der 81. Minute erneut - diesmal ohne Assist, einfach aus purem Trotz. 4:4!

"Wir haben uns fast selbst geschlagen, und am Ende auch selbst gerettet", brummte Luca Orlando nach Abpfiff. Sein Gegenüber Pingel grinste nur: "Wenn du vier Tore auswärts machst, darfst du eigentlich nicht meckern - aber wir hätten’s auch fast verloren."

Statistisch war’s ein seltsames Spiel: Essen mit 10 Torschüssen, Erfurt mit nur 4 - aber eben mit maximaler Effizienz. Beim Ballbesitz lag Erfurt knapp vorne (51 zu 49 Prozent), doch die Essener gewannen mehr Zweikämpfe. Es war ein offenes, wildes Hin und Her, das die Zuschauer mitriss.

In der Mixed Zone hörte man dann mehr Gelächter als Frust. Lucas Thuringer, der 18-jährige Essener Mittelfeldmann, brachte es auf den Punkt: "Vier Tore machen und trotzdem nicht gewinnen - das ist schon Kunst." Und als jemand den Trainer fragte, ob er so ein Spiel schon mal erlebt habe, antwortete Orlando trocken: "Nur auf der Playstation. Und da hab ich meistens gewonnen."

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Fußball ist manchmal kein Sport, sondern ein Abenteuer. Und dieses 4:4 war eines, das selbst die eingefrorenen Hände der Fans wieder aufwärmte.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn’s immer so ist, kauf ich mir ’ne Dauerkarte - aber nur mit Herztabletten."

23.07.643987 11:00
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