Jornal do Brasil
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Acht Tore, kein Sieger - Ceara und Campina liefern Fußballwahnsinn pur

Es gibt Spiele, bei denen der Statistikbogen schon zur Halbzeit glüht - und dann gibt es Partien wie diese. 34.110 Zuschauer im Estádio do Sol in Fortaleza wurden beim 15. Spieltag der 1. Liga Brasiliens Zeugen eines 4:4 zwischen Atletico Ceara und Campina Grande, das irgendwo zwischen Fußball-Operette und Abwehr-Desaster rangierte.

"Ich habe schon viele verrückte Spiele gesehen, aber das war ein Orkan", grinste Cearas Trainer André Rei, der nach dem Schlusspfiff abwechselnd lachen und seufzen musste. "Wenn du vier Tore schießt und nicht gewinnst, brauchst du entweder einen Psychologen oder einen neuen Abwehrchef."

Dabei begann alles vergleichsweise harmlos. Campina Grande legte los wie ein Samba-Ensemble auf Koffein. Schon in der 17. Minute traf Mittelstürmer Alexander Carsley nach einer feinen Kombination zum 0:1. Cearas Hintermannschaft wirkte, als hätte sie sich gerade erst auf dem Parkplatz kennengelernt. "Wir standen zu weit auseinander", knurrte Innenverteidiger Julian Djalo später, "so weit, dass ich fast Eintritt zahlen musste, um meinen Nebenmann zu sehen."

Doch Atletico Ceara schüttelte sich kurz, dann folgte eine furiose Antwort. In der 39. Minute traf Rechtsverteidiger Vicente Djalo - ja, derselbe Julian ist sein Bruder - nach Vorarbeit von Filipe Nene zum Ausgleich. Drei Minuten später drehte Nene selbst das Spiel, bedient von Johann Wagner, der auf der rechten Seite wirbelte, als gäbe es kein Morgen. "Ich hab einfach gedacht: Wenn keiner dichtmacht, dann mach ich halt auf", lachte Wagner nach dem Spiel. Halbzeitstand: 2:1, und die Fans sangen, als ginge es um die Meisterschaft.

Nach der Pause kippte das Geschehen erneut. Campina Grandes junger Flügelflitzer Liam Sterling - 23, schnell wie ein tropischer Sturm - traf in der 52. und 55. Minute doppelt. Erst per Schlenzer, dann nach traumhafter Vorbereitung durch Alberto Talao. "Ich fühlte mich heute wie in einem Videospiel auf Schwierigkeitsgrad ’leicht’", witzelte Sterling später. Der Engländer krönte seinen Auftritt in der 68. Minute mit dem dritten Treffer - ein lupenreiner Hattrick in nur 16 Minuten. Damit stand es plötzlich 2:4, und der Gästeblock bebte.

Atletico Ceara aber weigerte sich, die Partie herzuschenken. Trainer Rei reagierte, brachte in der 60. Minute den frischen Diego Antunes für den müden Filipe Nene - ein Wechsel, der sich bezahlt machte. Nur zehn Minuten später netzte Johann Wagner zum 3:4, Vorlage Antunes. Ceara war wieder da, das Stadion tobte.

Was folgte, war ein wilder Schlagabtausch, bei dem die Abwehrreihen beider Teams kollektiv Urlaub anmeldeten. Campina traf Aluminium, Ceara schoss aus allen Lagen. Vierzehn Torschüsse auf der einen, zwölf auf der anderen Seite - das liest sich wie ein Basketball-Ergebnis in Fußballform.

In der 86. Minute explodierte das Stadion endgültig: Innenverteidiger Julian Djalo köpfte nach einer Ecke von Antunes zum 4:4 ein. "Ich wollte einfach den Ball, nicht die Verantwortung", meinte der strahlende Torschütze, während sein Bruder Vicente ihm lachend auf den Helm klopfte.

Trainer Tobias Wassermann von Campina Grande nahm es mit Galgenhumor: "Wir hatten das Spiel eigentlich im Sack - leider war der Sack unten offen." Seine Mannschaft hatte zwar leicht mehr Ballbesitz (50,01 Prozent - also quasi Gleichstand), aber das half ihr am Ende so wenig wie ein Regenschirm im Monsun.

Der neutrale Zuschauer bekam jedenfalls alles, was das Fußballherz begehrt: acht Tore, Dramatik, einen Hattrick, zwei Djalo-Brüder mit Torbeteiligung und eine Gelbe Karte für Vicente, der sich kurz vor der Pause "nur mal kurz beschweren" wollte - und das laut Schiedsrichter etwas zu temperamentvoll tat.

Als die Sonne über dem Estádio do Sol unterging, standen alle Fans - egal ob in Rot oder Blau - und klatschten. 4:4, ein Ergebnis, das keiner so richtig fassen konnte. "Wenn man so spielt, braucht man keine Fitness-App", keuchte Cearas Keeper Adriano Tonel beim Abgang. "Das war Cardio pur."

Und so endete ein Spiel, das keiner verlieren wollte - und keiner wirklich gewann. Vielleicht war das aber auch genau richtig so. Denn wer nach diesen 90 Minuten noch an taktische Ordnung glaubt, hat Fußball nie geliebt.

Oder, wie es Tobias Wassermann zum Abschluss formulierte: "Das war kein Spiel. Das war brasilianischer Jazz mit Ball."

07.11.643990 21:37
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